Die Cloud-Hyperscaler AWS, Microsoft und Google

AWS: Marktführer mit Ambitionen

von - 19.09.2017
Mit den Produkten EC2 und S3 brachte Amazon 2006 Rechenleistung und Speicher als Service auf den Markt, um seine Rechenzentren besser auszulasten. Nutzten anfangs vor allem Start-ups die Dienste, weil sie den kostengünstigen Einstieg und die flexible Skalierbarkeit schätzten, positioniert sich der Branchenprimus heute vor allem auch als Partner großer und mittelständischer Unternehmen. „AWS baut derzeit massiv Branchen-Know-how bei Vertrieb und Business-Development auf“, sagt Carlo Velten, „aus unserer Sicht ist das ein richtiger Schritt.
Carlo Velten
Carlo Velten
Senior Analyst & CEO bei
Crisp Research
Foto: Crisp Research
„Eine wirkliche Preis­transparenz ist in der Praxis nicht gegeben“
Auch die Zeiten, in denen AWS als Feind des Channels empfunden wurde, sind längst vorbei. Mittlerweile investiert das Unternehmen stark in ein eigenes Partnersystem, auch wenn es immer wieder zu Irritationen kommt. So etwa, als AWS den Einstieg in den Managed-Services-Markt ankündigte und damit Partner vor den Kopf stieß.
Anders als manch Betroffener sieht Velten das allerdings entspannt: „Der Bedarf an erfahrenen Leuten, die sich mit dem Aufbau und der Integration von AWS-Ressourcen auskennen, ist in Deutschland extrem groß, da ist Platz für alle.“ AWS müsse im Gegenteil eher noch aktiver sein und das Know-how bei den Partnern schneller ausbauen helfen, so der Analyst weiter.
Nach den Erfahrungen von Axians-Cloud-Architect Jörn Steege punktet AWS vor allem in den Fachabteilungen und in der Produktion, während viele IT-Verantwortliche aus der Historie heraus eher Microsoft-affin seien: „Amazon kann im Bereich Produktion mehr Anwenderbeispiele vorweisen und hat mehr Services im Angebot.“ Die große Palette an Diensten ist auch nach Ansicht von DARZ-Chef Göbel ein großer Vorteil der Amazon-Tochter: „AWS (…) war von Anfang an sehr breit aufgestellt und ist in sehr viele spezialisierte Services eingestiegen, die sie meist selbst (…) für ihren Geschäftsbetrieb benötigten.“
Göbel attestiert dem Marktführer Stärken im Open-Source-Bereich, dafür mangele es noch an der Integration von Enterprise-Lösungen anderer Hersteller. „AWS versucht bei diesem Aspekt mit Themen wie VMware on AWS aufzuholen, ist aber grundsätzlich noch im Hintertreffen.“
Velten wiederum sieht Aufholbedarf auch bei IoT, Analytics und Machine Learning. „AWS muss aufpassen, hier nicht zurückzufallen.“ Gerade Analytics und Machine Learning seien sehr rechenintensiv. „Da werden in den kommenden Jahren noch massiv Workloads in die Cloud verlagert werden.“ AWS hat diesen Trend natürlich auch erkannt: „Momentan sehen wir weiterhin einen hohen Bedarf an Diensten für Big Data und IoT-Anwendungen“, berichtet Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei der Amazon Web Services Germany GmbH.
Das Unternehmen will außerdem seine Dienste für mobile Anwendungen wie Nutzungsanalysen, Tests mobiler Applikationen auf verschiedenen Geräten oder auch Server-Dienste für Online-Spiele ausbauen. „In diesen Bereichen haben wir für Entwickler ein eigenes Segment von Diensten in unserem Portfolio“, betont der Solutions Architect.
Das Angebot der mittlerweile über 90 AWS-Dienste werde auch fleißig genutzt, versichert Gonzalez: „Während die Kunden zu Zeiten des Markteintritts von AWS vor mehr als zehn Jahren vornehmlich auf unsere Compute- und Storage-Dienste setzten, nutzen sie heute eine Vielzahl der von uns angebotenen Cloud-Dienste.“
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