com!-Academy-Banner

Virtuelle Rechner machen Nutzer unabhängig

Im Gespräch mit Dr. Henning Dransfeld von ISG

von - 12.08.2019
Dr. Henning Dransfeld
Dr. Henning Dransfeld: Principal Advisor bei der Informations Services Group (ISG)
(Quelle: ISG )
Henning Dransfeld, Principal Advisor bei der Information Services Group (ISG), erklärt im Interview mit com! professional, warum Unternehmen zunehmend auf Virtual Desktop Services setzen und was für Herausforderungen bei dieser Transformation entstehen.
com! professional: Laut Ihrer Studie „Digital Workplace of the Future“ steigt die Nachfrage nach Virtual Desktop Services in Deutschland. Was sind die Hauptgründe für das zunehmende Interesse?
Henning Dransfeld: Virtual Desktops werden in vielen Unternehmen aus Kostengründen eingeführt, aber auch um die Überwachung und Einhaltung von Security- und Compliance-Richtlinien zu erleichtern. Sensible Informationen lassen sich zudem besser gegen Missbrauch schützen, wenn sie zentral in einer Virtual-Desktop-Infrastruktur und nicht auf den Endgeräten der Nutzer liegen. Schließlich vereinfachen solche Lösungen auch das Onboarding neuer Mitarbeiter und die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern deutlich, da individuelle oder rollenbasiert konfigurierte Arbeitsplätze schnell zur Verfügung gestellt werden.
com! professional: Als Plattformen für Virtual Desktop Services kommen im Wesentlichen die Lösungen von Microsoft, Citrix und VMware infrage. Wie bewerten Sie die jeweiligen Angebote?
Dransfeld: Historisch betrachtet war Citrix oft die erste Lösung, die eingesetzt wurde, auch weil sie am besten mit geringen Bandbreiten umgehen konnte. VMware bietet durch den Kauf von Airwatch einen wesentlich größeren Funktionsumfang für das Unified Endpoint Management. Der Funktionsumfang ist auch größer als in dem entsprechenden Microsoft-Produkt Intune.
com! professional: Wie bewerten Sie Microsofts Strategie, Produkte zu verknüpfen, etwa das Public-Cloud-Angebot Windows Virtual Desktop, das in der Azure Cloud getestet werden kann?
Dransfeld: Aus Microsoft-Sicht ist es sehr vernünftig, seine Marktdominanz in bestimmten Bereichen wie dem Desktop in die Waagschale zu werfen. Im Public-Cloud-Markt ist Microsoft ja der Herausforderer und muss sich als bessere Option zu AWS vermarkten.
com! professional: Welche Konsequenzen hat das für die Anwender?
Dransfeld: Aus Kundensicht sollte man vorsichtig sein. Bei einer tiefen Integration in Azure verliere ich die Plattformunabhängigkeit, ein Wechsel zu einem anderen Provider wird damit erschwert oder gar unmöglich. Man kann die Marktmacht von Microsoft aber auch nutzen, um seine Verhand­lungsposi­tion gegenüber den anderen Anbietern zu verbessern.
com! professional: Wie bewerten Sie die Bedeutung von Virtual Desktop Services für die digitale Transformation in den Unternehmen?
Dransfeld: Neben Identity und Access Management ist der Virtual Desktop einer der Schlüsselfaktoren für die Entwicklung des modernen Arbeitsplatzes, weg von der Hardware und hin zu einem Content-getriebenen Modell, das auf jedem Endgerät genutzt werden kann und dem Arbeitnehmer zu jeder Zeit die richtige Information im richtigen Kontext zur Verfügung stellt. Es mag aktuell aus Security-Sicht notwendig sein, Endgeräte zu verwalten, aber langfristig wollen alle davon weg. Unternehmen haben kein Interesse daran, Hardware zu managen.
com! professional: Was raten Sie Unternehmen, die eine Virtual-Desktop-Infrastruktur aufbauen wollen?
Dransfeld: Bei großen Installationen empfiehlt es sich, die Unterstützung eines Integrators zu suchen, denn die Projekte können schnell komplex werden. Schließlich geht es in den meisten Fällen nicht darum, eine einheitliche Virtual-Desktop-Infrastruktur auszurollen, sondern Nutzergruppen rollen- oder funktionsspezifisch mit virtuellen Arbeitsplätzen zu versorgen.
com! professional: Was unterscheidet eigentlich Virtual Desktop Services von Workplace as a Service?
Dransfeld: Workplace as a Service (WaaS) ist ein hoch standardisiertes Angebot, das aus der Public Cloud bezogen und nutzungsabhängig abgerechnet wird. Demgegenüber umfassen Virtual Desktop Services neben WaaS auch Services, die sowohl aus dem eigenen Rechenzentrum als auch aus einer Cloud-In­frastruktur bereitgestellt werden können.
Um den Gesamtmarkt zu verstehen, sollte man darüber hi­naus noch wissen, dass unter den Oberbegriff Virtual Desktops sämtliche arbeitsplatzbezogenen As-a-Service-Lösungen fallen, neben den Virtual Desktop Services also zum Beispiel auch Workplace as a Service.
Verwandte Themen