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Das Systemhaus als Berater für die Digitalisierung

Im Gespräch mit Bernd Appel, CEO von Lufthansa Industry Solutions

von - 07.06.2019
Bernd Appel
Bernd Appel: CEO von Lufthansa Industry Solutions
(Quelle: Lufthansa Industry Solutions)
Die IT-Branche hat in den vergangenen Jahren tief greifende Umbrüche durchlebt. Bernd Appel, CEO des IT-Dienstleisters Lufthansa Industry Solutions, erklärt, wie sich dadurch die Rolle von Dienstleistern verändert hat.
com! professional: Herr Appel, die IT-Branche verändert sich rasant. Welche Folgen hat das für IT-Dienstleister?
Bernd Appel: Für uns hat sich primär die Geschwindigkeit verändert, mit der sich die Transformation vollzieht. Denn es handelt sich ja nicht um einen abrupten Wandel, sondern um eine stetige und vor allem zunehmende Entwicklung. Bedingt durch den Fachkräftemangel ist zudem weniger Expertise vorhanden, die den schnellen Wandel und dessen Potenzial beherrschen, beurteilen und zur Anwendung bringen kann. Dennoch sehe ich der digitalen Transformation optimistisch entgegen. Denn solange sich diese weitreichenden Möglichkeiten ergeben, existieren auch sehr viel Antrieb, Innovationen und Veränderungsmöglichkeiten - und das bietet jedem Unternehmen in erster Linie viele Chancen.
com! professional: Und welche konkreten Chancen eröffnen sich für IT-Dienstleister durch diese Veränderungen?
Appel: Insgesamt ergeben sich viele neue Möglichkeiten, die nicht nur IT-Dienstleistern, sondern auch anderen Bereichen zugutekommen. Seien es konkrete Produkte oder aber neue Geschäftsmodelle, die Unternehmen für sich nutzen können. Die Möglichkeiten sind vielfältig. IT-Experten kommt eine zentrale Rolle zu, wenn es darum geht, diese Potenziale zu erkennen und zu heben. Zudem gibt es neue Chancen auf beruflicher Ebene, etwa die Renaissance des Entwicklers in Deutschland - er galt in der Vergangenheit fast schon als ausgestorben, jetzt ist er wieder gefragt.
com! professional: Welche Bedeutung haben Dienstleister heutzutage für den klassischen Mittelstand?
Appel: Gerade im Mittelstand sehen wir aktuell einen großen Bedarf an Beratungsleistungen. Viele Mittelständler stehen unter hohem Druck zwischen Kosteneffizienz und Innovationszwang. Die Anforderung an die Unternehmen lautet, das Kerngeschäft effizient und erfolgreich zu managen und nebenbei die eigenen Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Eine He­rausforderung, die oft kaum zu bewältigen ist, da schlichtweg die Kapazitäten fehlen.
An dieser Stelle kommen IT-Dienstleister ins Spiel. Sie agieren dann sozusagen zunächst als Lotse und bieten Orientierung in der digitalen Welt.
com! professional: Wie sieht das in der Praxis aus? In welcher Phase kommen Mittelständler zu Ihnen? Wissen sie bereits, was sie wollen? Oder haben sie bloß gehört, dass sie irgendwie digital werden müssen?
Appel: Das lässt sich nur schwer pauschalisieren. Einige Unternehmen gehen offen an die Herausforderungen heran und kommen in einer frühen Phase zu uns. Manche haben zu diesem Zeitpunkt noch einige eher unkonkrete Vorstellungen, andere wissen bereits genau, was sie machen wollen, sind aber noch un­sicher, welche Möglichkeiten sie haben. Leider kommt es dabei noch zu selten vor, dass Defizite im Transformationsprozess offen angesprochen werden.
Einige Unternehmen sind von ihrem Asset im jeweiligen Business überzeugt und erkennen das Potenzial, das sich ihnen bietet, erst nach und nach. Wieder andere sind zu bescheiden - gerade im Mittelstand. Sie verstehen die digitale Transformation als Wandel, der vor allem die Großkonzerne betrifft, und wähnen sich als zu klein zum Mitmischen. Dabei übersehen sie das disruptive Potenzial und die damit einhergehenden Chancen und Risiken, die die Digitalisierung bietet.
com! professional: … und was sagen Sie dann zu diesen Mittelständlern?
Appel: Für sie ist es ratsam, sich außerhalb wie innerhalb des Unternehmens umzuschauen. Denn während die allgegenwärtige Diskussion um Digitalisierung und Best Practices großen äußeren Einfluss auf die Unternehmen hat, bauen auch die eigenen Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens immer mehr Druck auf. Schließlich geht der Wandel an ihnen nicht vorbei.
Ein ganz einfaches Beispiel: Wenn der Kollege von der Konkurrenz plötzlich nicht mehr mit einem Notizblock arbeitet, sondern mit einem Tablet, wird man selbst hellhörig und beginnt, Fragen zu stellen.
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