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Automatisierung

Das selbstfahrende Rechenzentrum

von - 14.04.2020
Server mit Netzwerkkabeln
Foto: asharkyub / shutterstock.com
Automatisierte Abläufe im Rechenzentrum schaffen die Grundlage für Digitalisierungsprojekte. So können standardisierte IT-Ressourcen möglichst schnell, flexibel und kostengünstig bereitgestellt werden.
Das Automatisieren von Abläufen spielt nicht nur in der Informationstechnik derzeit eine wichtige Rolle: Fußballtrainer versuchen, ihren Spielern Standardspielzüge und automatisierte „Laufwege“ beizubringen. Automobilentwickler, Anbieter von Sensoren und Software-Firmen arbeiten mit Hochdruck daran, Lkw und Personenwagen für das autonome Fahren fit zu machen. In beiden Fällen geht es darum, dass die betreffenden „Systeme“, also Spieler und Fahrzeuge, eigenständig Entscheidungen treffen und möglichst schnell umsetzen.
Vergleichbares spielt sich in Rechenzentren ab. Doch ein automatisiertes Data-Center soll natürlich keine Tore schießen oder ohne Zutun des Fahrers auf der Autobahn oder in der Stadt manövrieren. „Die Automatisierung ermöglicht es, häufig wiederkehrende Tätigkeiten in Rechenzentren schneller, zuverlässiger und kostengünstiger umzusetzen als ein Mensch“, erklärt Thomas King, Chief Technology Officer bei DE-CIX. Das Unternehmen betreibt einige der größten Internetknoten der Welt, inklusive der dazu gehörigen Rechenzentren.
Neben den Kosten und der höheren Zuverlässigkeit sprechen weitere Argumente dafür, den Rechenzentrumsbetrieb zu automatisieren: „Unternehmen sollten ihre Data-Center automatisieren, weil sie dadurch ein höheres Sicherheits­niveau erreichen“, betont beispielsweise Andreas Jagdmann, Senior Solutions Consultant beim IT-Haus Axians Networks & Solutions. „Außerdem steigert die Automatisierung die Zuverlässigkeit und Agilität des Data-Centers.“
Der Grund ist zum einen, dass die Fehlerquote sinkt, wenn manuelle Prozesse automatisiert werden. Zum anderen lassen sich Jagdmann zufolge die Wartungs-, Installations- und Update-Zyklen reduzieren.

Nicht nur für die Großen

Es ist nachvollziehbar, dass eine Automatisierung von Abläufen im Rechenzentrum vor allem für Service-Provider und größere Unternehmen mit entsprechend großen IT-Infrastrukturen relevant ist. Doch auch für einen Mittelständler kann es sinnvoll sein, diesen Weg zu beschreiten, so Andreas Livert, Senior Regional Director bei Extreme Networks: „Gerade für mittelständische Firmen ist Automatisierung ein wichtiges Thema. Denn dadurch können sie Ressourcen schonen und die Sicherheit erhöhen.“
Andreas Livert
Andreas Livert
Senior Regional Director bei Extreme Networks
https://de.extremenetworks.com
Foto: Extreme Networks
„Gerade für mittel­stän­dische Firmen ist Automatisierung ein wichtiges Thema. Denn dadurch können sie Ressourcen schonen und die Sicherheit erhöhen.“
Als Beispiel führt Livert mittelgroße Krankenhäuser an. Dort nehme die Zahl an vernetzten Systemen quasi täglich zu, Stichwort Internet of Things. „Das ist unter dem Aspekt des medizinischen Fortschritts ein Segen. Aber gleichzeitig sind neue IT-Sicherheitsmaßnahmen unerlässlich, um Patienten, Einrichtungen und Systeme zu schützen.“ Vor diesem Hintergrund sei ein autonomes Netzwerk unverzichtbar. Es greift beispielsweise auf Techniken wie Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zurück, um Cyberangriffe zu erkennen und zu blockieren. Notfalls isoliert ein autonomes Netzwerk infizierte Systeme oder ganze Bereiche des Unternehmensnetzes. Wie wichtig solche Maßnahmen sind, belegen erfolgreiche Hacker-Angriffe auf deutsche Kliniken im Jahr 2019, etwa Häuser des Deutschen Roten Kreuzes.

Es kommt darauf an …

Für Martin Rausche, Senior Executive Director for SDWAN VMware EMEA beim gleichnamigen Virtualisierungsspezialisten, ist eine „selbstfahrende IT-Infrastruktur“ allerdings nicht für jeden Mittelständler zweckmäßig: „Ist ein mittelständisches Unternehmen beispielsweise in der Maschinenproduktion tätig, ist es vermutlich seltener der Fall, dass neue PC-Arbeitsplätze bereitgestellt werden müssen. Deswegen lohnt sich wohl kaum eine Lösung, mit der sich diese Aufgabe automatisieren lässt.“ 
Anders sei die Lage in einem Unternehmen, das mit Hilfe von Container-Technologie Software entwickelt. „Dort ist das automatische Generieren und Dekommissionieren von Testumgebungen für den Entwickler und die Qualitätskontrolle von entscheidender Bedeutung für die Effizienz. Die Automatisierung dieser Abläufe ist quasi ein Muss für das Unternehmen“, unterstreicht VMware-Director Rausche.
Uwe Müller
Uwe Müller
Data Center Sales Lead Germany bei Cisco
www.cisco.com
Foto: Cisco
„Mit einer modularen, abgestimmten und effizienten Rechenzentrumslandschaft können bereits ­heute drei IT-Fachleute mehr als 20 weltweit ­verteilte,
unterschiedliche Data-Center-Fabrics ­verwalten. Für das Management von mehr als 3.000 Blade-Servern reichen zwei Administratoren aus.“
Um zentrale Rechenzentren zu entlasten, bietet es sich zudem an, sogenannte Edge-Data-Center einzusetzen. Sie werden überall dort platziert, wo die eigentlichen Daten anfallen, zum Beispiel in einer Fertigungsumgebung, in Hotels oder bei einem Einzelhändler. „Mit Hilfe von IoT sowie KI und Machine Learning lassen sich viele Daten vor Ort bearbeiten und analysieren“, erläutert Uwe Müller, Datacenter Sales Lead Germany bei Cisco. Allerdings müssen auch Edge-Rechenzentren in ein zentrales, automatisiertes Management eingebunden werden.
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