Das sind die Robotik-Trends 2018

Andere Branchen

von - 12.03.2018
Roboter im Haushalt
Care-O-bot 4: Serviceroboter wie dieser könnten hilfsbedürftige Menschen im Haushalt oder in Pflegeeinrichtungen bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben unterstützen.
(Quelle: Phoenix Design)
VDMA-Geschäftsführer Patrick Schwarzkopf geht davon aus, dass sich Industrieroboter auch außerhalb des Automobilsektors immer stärker durchsetzen werden und andere Branchen nachziehen: „Auch die Metallverarbeitung und der Maschinenbau sind große Roboterkunden. In Asien boomen die Anwendungen in der Elektronikfertigung.“ Serviceroboter sind vor allem in der Logistik stark im Kommen. So hat die MediaMarktSaturn Group beispielsweise bereits Roboter für Expresslieferungen an Endkunden getestet. „Eine weitere Einsatzmöglichkeit, die wir derzeit erproben, ist der unternehmensinterne Einsatz in der automatisierten Logistik, bei der wir ebenfalls ein großes Potenzial sehen“, erklärt CDO Wild.
Sebastian Robert
Dr. Sebastian Robert
Gruppenleiter Decision ­Support Systems, IAD am Fraunhofer-Institut für ­Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB)
Foto: Fraunhofer IOSB
„Wenn Roboter erkennen können, was ein Mensch gerade macht und warum er das tut, hat das in ­vielen Bereichen Einsatzpotenzial.“
Weitere Felder, in denen die Robotik bereits eine wesentliche Rolle spielt, sind laut VDMA-Geschäftsführer Schwarzkopf der Agrar- und der Gesundheitsbereich: „In der Landwirtschaft sind Melkroboter schon weit verbreitet, im OP sind bei bestimmten Eingriffen chirurgische Robotikassistenten kaum noch wegzudenken.“ Künftig könnten Roboter auch die Feldarbeit übernehmen, in Fernsehstudios Kameras bedienen oder in der Pflege unterstützen. „Die Anbieter von professioneller Servicerobotik arbeiten an Lösungen für alle Bereiche.“

Fazit

Der Industrieroboter als tumber Blechkoloss, der, einmal programmiert, stur immer dieselben Bewegungen ausführt – von dieser Vorstellung werden wir uns wohl verabschieden müssen. Zwar wird es solche Maschinen weiterhin geben, ihre kleineren, agileren, sensibleren und intelligenteren Kollegen werden aber eine Vielzahl neuer Arbeitsfelder besetzen. Für Unternehmen aller Branchen gilt es, diese Entwicklung aufmerksam zu beobachten und Einsatzpotenziale möglichst früh zu evaluieren. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Serviceroboters Paul in den Saturn-Märkten. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Arbeitsmarkt haben wird, lässt sich derzeit kaum abschätzen. „Letztendlich hängt die Akzeptanz von Robotern bei den Mitarbeitern davon ab, wie sehr der Mitarbeiter den Roboter unterstützend wahrnimmt“, prognostiziert VW-Manager Martin Gallinger.
Projekt ASARob: Der aufmerksame Roboter
Wir Menschen erkennen Aufmerksamkeit intuitiv. Wir können leicht unterscheiden, ob jemand Blickkontakt mit uns aufnehmen und uns ansprechen will oder nur gedanken­verloren zufällig in unsere Richtung schaut. Roboter müssen bei dieser Aufgabe oft noch passen.
„Hier gibt es Verbesserungspotenzial“, sagt Michael Voit, Gruppenleiter Perceptional User Interfaces, Abteilung IAD (Interak­tive Analyse und Diagnose) am Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB), „insbesondere in Alltagssituationen, in denen sich der Nutzer nicht explizit vor den Roboter stellt und ihn direkt anspricht, fällt die Aufmerksamkeitserkennung häufig noch schwer.“
Im Projekt „Aufmerksamkeitssensitiver Assistenzroboter“ (ASARob) wollen Voit und seine Kollegen diese Fähigkeiten verbessern. Roboter sollen „interaktive Grundfertigkeiten“ erlernen, das heißt, Aufmerksamkeit fehlerfrei erkennen und lenken können. Unter der Koordination des Fraunhofer IOSB arbeiten das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW), die Universität Bremen sowie die Unternehmen Unity Robotics und SemVox GmbH gemeinsam an dem Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp zwei Millionen Euro gefördert wird.
Im Projekt soll es nicht um die Entwicklung neuer Hardware gehen, sondern darum, die Daten, die aktuell verfügbare Sensoren erfassen können, so zu integrieren und auszuwerten, dass der Roboter daraus Schlüsse auf die Aufmerksamkeit des menschlichen Gegenübers ziehen kann. „Wir beobachten, wie sich Menschen in bestimmten Situationen verhalten, um die ko­g­nitiven Grundlagen zu verstehen, auf deren Basis der Mensch Aufmerksamkeit erkennt und nutzt“, sagt Voit, „mit Hilfe dieser Erkenntnisse wollen wir dann ein mathematisches Modell und die entsprechenden Algorithmen entwickeln, welche diese Art der Interaktion nachbilden.“ Die Forscher legen besonderen Wert darauf, Datenschutzvorschriften einzuhalten und die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. „Wir entwickeln unsere Systeme gemeinsam mit dem Anwender und setzen so früh wie möglich Pseudonymisierung oder Anonymisierung der Daten ein“, betont Voit.
Die Forscher arbeiten mit Geriatriezentren in Leipzig und Karlsruhe zusammen, in denen sie jeweils spezifische Anwendungsszenarien untersuchen. Im einen Fall soll der Roboter Care-O-bot 4, der als Hardware-Basis für das Projekt dient, Menschen bei der Orientierung unterstützen, im Dialog ihr gewünschtes Ziel oder Anliegen erfragen und sie an die entsprechende Stelle führen, ihnen dort weiter assistieren und etwa bei der Anmeldung am Empfang helfen. „Das ist ein Szenario, das sich auf viele Anwendungsfälle übertragen lässt“, sagt Sebastian Robert, Gruppenleiter Decision Support Systems, IAD am Fraunhofer IOSB, der für die Gesamtleitung des Projekts verantwortlich ist. Wichtig sei, dass man den Roboter nicht direkt ansprechen müsse, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. „Der Care-O-bot soll merken, wenn jemand unsicher ist und suchend in der Gegend umherschaut, und dann aktiv seine Hilfe anbieten.“
Im zweiten Anwendungsfall soll der Roboter in einem Gruppenraum Aufmerksamkeit erkennen, aktiv auf die Person, die mit ihm interagieren möchte, zugehen und sich mit ihr beschäftigen. „Das ist ein sehr herausfordernder Use-Case“, sagt Voit, „weil der Roboter sehr viele verschiedene Personen wahrnehmen muss“.
Die Möglichkeiten, aufmerksamkeitssensitive Roboter einzusetzen, gehen laut Sebastian Robert weit über den Einsatz in der Pflege oder im Haushalt hinaus. „Wenn Roboter erkennen können, was ein Mensch gerade macht und warum er das tut, hat das in vielen Bereichen Einsatzpotenzial, sei es in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in der Produktion, in der Qualitätssicherung, in der Fahrzeugsteuerung oder auch in der Interaktion mit Computern.“
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