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Der Netzwerkeffekt bringt den Erfolg

Trend zu lokalen Netzwerken?

von - 29.07.2020
Einsatzhürden für Plattformen
Bremsfaktoren: Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit sehen deutsche Unternehmen als größte Hemmnisse für den Plattform-Einsatz in ihren Organisationen an.
(Quelle: Bitkom Research (n = 502), Mehrfachnennungen möglich )
Im Kontext der Corona-Krise sprießen viele lokale Plattformen aus dem Boden, um lokale und regionale Händler zu stärken und mit ihren Kunden zu vernetzen. Ein Beispiel ist „München bringt’s“ mit einer Übersicht über Lokale und Restaurants, die einen Abhol- oder Liefer-Service anbieten. Sven Siering sieht durchaus Chancen dafür, dass die Wertschöpfungsketten im Zuge der Corona-Krise nicht mehr so weit dezentral verteilt sein werden wie zuvor. „Möglicherweise wird die Globalisierung etwas zurückgenommen, wenn die Konsumenten mehr auf Regionalität achten. Dann werden eventuell auch kleinere, regionale Netzwerke relevant und erfolgreich, weil sie stärker genutzt werden.“
Häufig unterstützen Städte oder regionale Wirtschaftsförderer die Netzwerke für lokale oder regionale Händler. Doch auch hier ist für den erfolgreichen Aufbau ein langer Atem notwendig. „Wir haben es mit dem Henne-Ei-Problem zu tun. Händler kommen nur, wenn die Kunden da sind, Kunden kommen nur, wenn das Angebot passt. Ein Betreiber muss am Anfang häufig zumindest einen Bereich subventionieren, damit die Plattform anläuft und dann skalieren kann“, betont Georg Wittmann von ibi research.
Dr. Georg Wittmann
Georg Wittmann
Geschäftsführer bei ibi research an der Universität Regensburg
www.ibi.de
Foto: ibi research
„Handels-Plattformen bieten vielschichtige Vorteile für Verkäufer. Wegen der vielen Nutzer erhalten sie auch ohne großes Marketing-Budget Zugang zu (neuen) Kunden. Zudem sparen sie Kosten, weil sie die technische Infrastruktur der Plattform nutzen können.“
Im Laufe der Zeit sind mehrere Plattformen gescheitert, beispielsweise Dawanda, ein deutsches Online-Portal, auf dem selbstgefertigte Produkte zum Kauf angeboten wurden, oder der B2B-Marktplatz Procato, der Werkzeuge und Materialien für Handwerker anbot. Potenzielle Betreiber neuer Plattformen sollten sich daher immer die Frage stellen: Ist in meinem Markt genug Platz für eine weitere Plattform da? Georg Wittmann sieht beispielsweise den Elektronik-Bereich als gesättigt an, aber durchaus Potenzial für Plattformen zu Agrarprodukten oder für die Getränkeindustrie. „Unabhängig davon gibt es einen Zyklus in allen Branchen. Irgendwann wird man abgelöst durch einen besseren, schnelleren Akteur, falls man sich nicht selber weiterentwickelt.“

Fazit & Ausblick

Plattformen werden wegen der großen Skalen- und Netzwerkeffekte künftig die digitale Ökonomie bestimmen, auch im B2B-Bereich. Sie bieten für alle Beteiligten einfach zu große Vorteile: Die Plattformbetreiber können auf Basis der Interaktionsdaten weitere Services schaffen, B2B-Anbieter erhalten ohne viel Marketing-Aufwand schneller und einfacher Zugang zu (neuen) Kunden und sparen Kosten, wenn sie die technische Infrastruktur der Plattform nutzen können. Einkäufer wiederum profitieren von dem breiteren Angebot und bessere Auswahlmöglichkeiten. Doch damit Plattformen auch hierzulande zum Erfolgsmodell werden, muss die Gesetzgebung die Besonderheiten dieses Geschäftsmodelle besser berücksichtigen, damit Innovationen nicht ausgebremst werden.
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