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Der Netzwerkeffekt bringt den Erfolg

Deutsche Unternehmen zögern

von - 29.07.2020
Relevanz von Plattformen
Riskante Zurückhaltung: Vier von zehn deutschen Unternehmen lassen Plattformen noch links liegen.
(Quelle: Bitkom Research (n = 502), Mehrfachnennungen möglich )
Doch trotz aller Vorteile stehen viele Unternehmen in Deutschland digitalen Plattformen skeptisch gegenüber. Das zeigte eine Umfrage des Bitkom von Ende Oktober 2019 unter mehr als 500 Firmen in Deutschland mit 20 oder mehr Mitarbeitern. Zwar geben vier von zehn Unternehmen (45 Prozent) an, dass sie digitale Plattformen eher als Chance für das eigene Unternehmen sehen, zugleich halten sie aber drei von zehn (30 Prozent) für ein Risiko. Jede fünfte Firma (22 Prozent) misst digitalen Plattformen keine Bedeutung für das eigene Geschäft zu.
Insgesamt zeigen sich die Unternehmen mit Blick auf Plattformen gespalten. Rund zwei Drittel (63 Prozent) nehmen an, dass die Nutzung digitaler Plattformen insgesamt mehr Vorteile als Nachteile für sie bringt, aber jedes vierte (27 Prozent) sagt: Digitale Plattformen gefährden unsere Existenz. Als wichtigste Vorteile digitaler Plattformen gelten in der deutschen Wirtschaft die Schaffung eines breiteren Angebots (74 Prozent), die Erschließung neuer Kundengruppen (72 Prozent) und die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens (68 Prozent). Dahinter folgen die Steigerung der Bekanntheit (63 Prozent) und die Förderung von Innovationen (62 Prozent).
Sorgen machen den Unternehmen demgegenüber der einfache Marktzutritt für neue Wettbewerber (65 Prozent), ein erhöhter Preisdruck sowie der Verlust der direkten Kundenbeziehung (je 55 Prozent).
Dahinter folgen schrumpfende Margen durch Gebühren (48 Prozent). 42 Prozent befürchten, dass sie in Abhängigkeit vom Plattformbetreiber geraten. Jedes Vierte (23 Prozent) beklagt darüber hinaus einen unklaren Rechtsrahmen, etwa bei Kooperationen für den Aufbau von Plattformen.
Zu letzterem hat Marie Anne Nietan vom Bitkom eine klare Meinung: „Angesichts der sich rapide verändernden Marktstrukturen, schnellen technologischen Entwicklungen und Produkterneuerungen sind Teile der bisher angemessenen Regulierung nicht mehr zeitgemäß. Sie sind von statischen Betrachtungen, Miniaturvergleichen von Einzeldiensten und Produktsegmenten geprägt. Oft scheinen sich regula­torische Vorgaben gegenseitig zu blockieren oder gar zu widersprechen.“ Aus ihrer Sicht reflektiert die Gesetzgebung noch nicht ausreichend die Besonderheiten der Plattformökonomie und bremst Innovation in Geschäftsmodellen.
Einigkeit herrscht bei den befragten Unternehmen aber, dass die Bedeutung von digitalen Plattformen künftig weiter zunehmen wird. So sind jeweils 90 Prozent der Firmen überzeugt, dass in zehn Jahren digitale Plattformen für die weltweite wie auch für die deutsche Wirtschaft sehr wichtig oder eher wichtig sein werden. 83 Prozent stimmen der Aussage für die eigene Branche zu und immerhin 75 Prozent für das eigene Unternehmen.
B2B-Marktplätze in Deutschland (Auswahl)
Digitale Plattformen werden auch im B2B-Bereich immer wichtiger. Hier eine subjektive Auswahl wichtiger B2B-Plattformen/-Marktplätze aus Deutschland:
  • Mercateo: Mit mehr als 24 Millionen Artikeln in Deutschland gilt Mercateo (www.mercateo.com) als eine der größten Beschaffungsplattformen für Geschäftskunden in Europa. Hinzu kommt das B2B-Netzwerk Unite (www.unite.eu) zur Digitalisierung von direkten Kundenbeziehungen.
  • Conrad: Der Elektronikhändler Conrad bietet auf seinem digitalen Marktplatz (www.conrad.de) nicht nur sein eigenes Sortiment an, sondern B2B-Kunden können auf der Conrad Sourcing-Plattform auch die rund fünf Millionen zusätzlichen Artikel von ausgewählten und geprüften Anbietern erwerben. Hinzu kommen passgenaue Produkt-, Liefer- und Bestellservices.
  • Metro Markets: Die Metro AG betreibt mit Metro Markets (www.metro.de/marktplatz/) einen B2B-Marktplatz mit dem klassischen Food-Sortiment sowie Produkten für Hotels, Restaurants und Catering. Dazu gehören Großküchenausstattungen, Gastronomiezubehör, Reinigungsutensilien und ­Arbeitskleidung.
  • Visable: Das Unternehmen bündelt die Marktplätze „Wer liefert was“ und „Europages“ unter der neuen Dachmarke Visable (www.visable.de). Ziel ist es, kleine und mittelständische Unternehmen in Europa in die Lage zu versetzen, digitale Vertriebswege für sich zu nutzen und international sichtbar zu sein. Neben den B2B-Marktplätzen bietet Visable eine Reihe von Dienstleistungen im Online-Marketing an.
  • IoT-Plattformen: Plattformen spielen eine zentrale Rolle beim Internet of Things (IoT). Sie stellen die Verbindung zwischen den vernetzten Geräten/Sensoren und den Systemen her, die IoT-Daten speichern, verarbeiten und auswerten. Hinzu kommen Funktionen für das Management von IoT-Anwendungen, Daten und für das Reporting. Deutsche Anbieter von IoT-Plattformen sind zum Beispiel SAP, Bosch, Siemens, die Software AG, T-Systems oder Axoom (Speziell Industrie 4.0).
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