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Die Maschinen werden immer menschlicher

Konzept ohne Geschäftsmodell?

von - 12.06.2018
Roboy
Roboy: Das Skelett des von der Universität Zürich und der TU München entwickelten Roboters besteht aus Kunststoff und kommt aus dem 3D-Drucker.
(Quelle: Adrian Baer)
Humanoide Roboter faszinieren und wecken Science-Fiction-Fantasien. Nicht alle Robotik-Experten sind jedoch vom wirtschaftlichen Wert dieses Konzepts überzeugt. „Die Frage ist nicht entschieden, ob der humanoide Roboter für die Nutzung im privaten Umfeld eine sinnvolle Lösung darstellt“, findet Alois Knoll von der TU München. „Wo braucht man die exakte Form, die kompletten Fähigkeiten eines Menschen, wo ist das Geschäftsmodell?“ Dabei steht Knoll dem Thema durchaus offen gegenüber, schließlich hat er im Jahr 2000 die erste Konferenz des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) über humanoide Roboter am Massachusetts Institute of Technologie (MIT) organisiert und gemeinsam mit Rolf Pfeifer von der Universität Zürich den Humanoiden Roboy entwickelt. „Auch wenn das aus Sicht der Forschung ein hochinteressantes Projekt ist, bleibt die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen“, sagt Knoll. Martin Hägele vom Fraunhofer IPA sieht das ähnlich: „Die Frage ist, ob wir tatsächlich eine universell einsetzbare Maschine brauchen, die alle denkbaren Aufgaben erledigen kann, oder ob nicht spezialisierte Roboter sinnvoller sind, die eine begrenzte Zahl von Aufgaben schnell und zuverlässig bewältigen können.“
Martin Hägele
Martin Hägele
Leiter der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-
Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
www.ipa.fraunhofer.de
Foto: Fraunhofer IPA
„Wir versuchen im Design unserer Roboter das Menschenähnliche eher zurückzunehmen, um eine zu große Erwartungshaltung zu vermeiden.“
Hinzu kommen laut Alois Knoll viele ungelöste Fragen bei der Entwicklung androider Maschinen: „Das Problem ist, dass wir es bei Robotern mit Hardware zu tun haben.“ Während die KI-Forschung große Fortschritte gemacht habe, seien viele Fragen der Mechanik, etwa bei der Handbewegung, weitgehend offen: „Lösungen für den Masseneinsatz sind nicht in Sicht.“ Ein weiterer Faktor, der den Einsatz von humanoiden Robotern stark einschränke, sei die Energieversorgung: „Humanoide Roboter können es mit der Effizienz des menschlichen Körpers nicht aufnehmen, sie sind noch viel zu energiehungrig.“
Martin Hägele vom Fraunhofer IPA sieht dagegen vor allem noch Defizite in der Sensorik, aber auch in der Kogni­tion: „Bei allem was mit Wahrnehmung von Objekten, Umgebungen und Personen, mit kontextabhängiger Planung und mit dem Lernen aus Beispielen oder Erfahrungen zu tun hat, sind wir in der Robotik noch meilenweit von den menschlichen Fähigkeiten entfernt.“
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