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IT in der Schweiz: Projekte und Investitionen

Kassenlose Kioske

von - 25.07.2019
Avec-Box von Valora
Vorbild Amazon: Das Handelsunternehmen Valora präsentiert mit der „avec box“ ein kassenloses Ladenkonzept.
(Quelle: Valora)
Was Airbnb für die Hotellerie ist, ist Amazon für den Einzelhandel. Die Schweizer Unternehmen stellen sich den He­rausforderungen durch den weltweit größten Versender, indem sie sich ihn als Vorbild nehmen. Der Kioskbetreiber Valora will beispielsweise das Konzept von Amazon Go in mehreren Varianten in der Schweiz testen. Im Lauf dieses Jahres soll erstens „avec box“ lanciert werden. Dort werden die Konsumenten via App in den Laden einchecken, die gewünschten Produkte aus dem Regal nehmen, die Barcodes scannen und den Laden wieder verlassen können. In der zweitens geplanten „k kiosk box“ entfällt das Scannen der Produkte auch noch, was den Einkaufsprozess noch einmal beschleunigen soll. Mit den beiden Konzepten will Valora nicht hauptsächlich Personal sparen, sondern sein Portfolio vergrößern. So sind für beide Ladenkonzepte Standorte vorgesehen, an denen es bislang kein oder nur ein sehr geringes Convenience-Angebot gibt. Weiter spekuliert der Händler darauf, zumindest die kassenlose „k kiosk box“ während 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche offen lassen zu können - wenn dies der Gesetz­geber und die Vermieter gestatten.
Eine Konkurrenz zum Weltmarktführer zu etablieren, strebt auch der Migros-Konzern an. Seine Tochterfirma Digitec Galaxus nimmt sich Amazons Homepage zum Vorbild. Dafür wurde ein internationales Versandzentrum in Grenz­nähe aufgebaut, der Markteintritt in Deutschland mit einem eigenen Verteilzentrum gewagt und das einheimische Sortiment massiv hochgefahren. Unter anderem Designermöbel von Teo Jakob, Luxuswaren von Globus, Medien von Ex Li­bris, Mode von Bestseller und Metro Boutique, Schuhe von Vögele Shoes, Sportartikel von Ochsner Sport und Taurus, Wein von Baur au Lac Vins sowie nicht zuletzt das gesamte Non-Food-Angebot der Migros sind via Galaxus bestellbar. Der Konzern erzielte zwar mit einem Gesamtumsatz von 992 Millionen Franken eine neue Rekordmarke, im Plus von 15 Prozent spiegelt sich aber das massiv größere Sortiment nicht wider. Immerhin: Platzhirsch Amazon wuchs im gleichen Zeitraum im Online-Handelsgeschäft auch „nur“ um 15 Prozent.

Cities werden smart

Die Schweizer Städte setzen ebenfalls auf Digitalisierung. Neue digitale Konzepte für den Transport gehen einher mit Ansätzen für die Planung von Städten und Serviceangeboten für ihre Bewohner. Die Schweizer Großstädte haben sich im abgelaufenen Jahr allesamt eine Smart-City-Strategie verordnet. Hier gehen die Kosten in die Millionen. Die Projekte in Zürich sollen die Verwaltung digitalisieren, den Verkehr elektrifizieren und die Partizipation der Einwohner vereinfachen. Bereits installiert sind 16 „eCityplan“-Informations-Stelen. Kostenpunkt hier allein eine halbe Million Franken. In Genf sind die Smart-City-Vorhaben eingebettet in die Strategie „Smart Canton“. Ein Beispielprojekt ist der elektronische Parkleitsensor PrestoPark des Genfer Anbieters IEM. Die Sensoren sind mittlerweile in der ganzen Schweiz und Südeuropa installiert. Hier wird mit smarter Technologie Geld verdient.
Daniel Stoeri
Daniel Stoeri
Leiter Digital Management der Stadt Baden
www.baden.ch
Foto: Baden
„Der Stadtrat will drei Smart-City-Projekte bis 2022 umsetzen und für Bevölkerung, Wirtschaft und Verwaltung erste Quick-Wins generieren.“
Welchen Stellenwert Smart-City-Konzepte erlangt haben, zeigt sich auch daran, dass neue Stellen geschaffen wurden, um den Wandel zu forcieren. Städte wie Winterthur etwa beschäftigen dedizierte Chief Digital Officers, um die digitale Transformation voranzutreiben und attraktiver für Einwohner und Wirtschaft zu werden. Gemeinden, Städte und Kantone haben Pilotprojekte ins Leben gerufen. Viele Innovationen kommen aber auch bei der Smart City von Start-ups. Manche Städte lancieren gleich eigene. So hat etwa die Stadt Baden das Start-up Digital Management ins Leben gerufen. Es soll ausloten, wo und wie die Stadt die Potenziale neuer Technologien am besten ausschöpfen und für die Bürger nutzbringend einsetzen kann. „Der Stadtrat will bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode 2019 bis 2022 drei konkrete Projekte umsetzen und so für die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Verwaltung erste Quick-Wins generieren“, konkre­tisiert Daniel Stoeri, Leiter Digital Management der Stadt Baden.
Wenn Unternehmen neue Technologien einsetzen, stehen meist finanzielle Interessen im Fokus. Städte, Gemeinden und Krankenhäuser wollen den Alltag von Schweizer Bürgerinnen und Bürgern angenehmer sowie stressfreier gestalten. Seit Oktober 2018 bieten zum Beispiel die SBB auf ihrer App die Funktion „EasyRide“ an, mit der die Fahrgäste ihre Fahrtkosten automatisch begleichen können, ohne zuvor ein Ticket am Automaten oder Schalter lösen zu müssen. Das Ein- und Auschecken im öffentlichen Verkehr, ohne ein Billett von A nach B zu kaufen, komme bei den Kunden an, meldeten die SBB nach vier Monaten Feldversuch. Mit „EasyRide“ können Fahrgäste bei Fahrtbeginn einchecken und an jedem beliebigen Ort auschecken. Die App erkennt die gefahrene Strecke und bucht automatisch den Preis für das günstigste Ticket ab. 15.000 Kunden (Stand Februar 2019) hätten am Markttest teil­genommen, so die SBB.
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