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Die größten Probleme bei der Cloud-Nutzung

Abhängigkeit

von - 05.10.2020
Oft entwickelt sich die Abhängigkeit schleichend: Immer mehr Workloads und Daten wandern in die Cloud, großzügige Serviceangebote und attraktive Funktionserweiterungen binden den Kunden immer stärker an einen Anbieter. Explodieren dann die Kosten, stimmt die Servicequalität nicht mehr oder will man aus Datenschutzgründen sensible Informationen doch lieber wieder selbst verwalten, stellt man plötzlich fest: Der Ausstieg ist langwierig, teuer und nur mit empfindlichen Einbußen bei Funktion und Komfort zu haben. Nicht umsonst stufte die europäische IT-Behörde ENISA (European Network and Information Security Agency) schon vor Jahren das Risiko einer Provider-Abhängigkeit als hoch ein. Einer britischen Studie zufolge war nach Sicherheitsbedenken die Angst vor Abhängigkeit die am zweithäufigsten genannte Sorge bei Cloud-Migrationsprojekten.
Die Gefahr eines Vendor-Lock-ins steigt dabei mit der Ebene des Bereitstellungsmodells. Während es noch relativ einfach ist, virtuelle Maschinen von einer Infrastructure-as-a-Service-Umgebung (IaaS) in eine andere zu verschieben, so gelingt eine Migration bei Platform as a Service (PaaS) schon nicht mehr ohne erhebliche Anpassungsarbeiten, da diese Services tief in die Backend-Systeme der Provider integriert sind. Am größten ist die Lock-in-Gefahr beim SaaS-Modell. Wer von einem SaaS-Anbieter zu einem anderen wechselt, verliert in der Regel alle unternehmensspezifischen Anpassungen, Filter und Metadaten. Anders als bei gekaufter Software, die man noch Monate oder gar Jahre weiterverwenden kann, endet die Nutzungsmöglichkeit bei SaaS mit der letzten Abozahlung. Für einen nahtlosen Übergang von einer SaaS-Lösung in eine andere muss in der Migrationsphase daher doppelt bezahlt werden.
Vor allem aber verstärkt die rasante Zunahme der Datenmenge die Abhängigkeit von den Cloud-Providern. Einer Studie von IDC und Seagate zufolge wird bis 2025 fast die Hälfte der bis dahin erzeugten Datenmenge von 175 Zettabyte in der Public Cloud gespeichert werden. Cloud-Provider unterstützen diesen Trend, indem sie für den Datenimport umfangreiche Hilfen zu Verfügung stellen. AWS bietet etwa mit der Appliance Snowball ein Gerät für die Offline-Migration. Unternehmen können so schnell große Datenmengen in die Amazon-Cloud transportieren. „Die Aufnahme von Daten ist in der Regel sehr kostengünstig“, so Markus Grau von Pure Storage, „aber die Verarbeitung von Daten oder sogar deren erneute Migration kann schnell sehr teuer werden.“
Welche Folgen das haben kann, zeigt das Beispiel NASA (siehe Punkt „5. Kosten“). Achim Freyer von Rubrik warnt deshalb vor übereilten Aktionen: „Wer Daten in die Cloud migriert, sollte sich immer auch darüber Gedanken machen, wie er sie wieder herausbekommt.“
Guntram Alffen
Guntram Alffen
Regional Director DACH bei Avi Networks
https://avinetworks.com

Foto: Bild: Avi Networks
„Daten und Workloads zurück nach Hause ins eigene Rechenzentrum zu holen, ist in letzter Zeit zur Realität geworden.“
Wie viel Daten zu viel sind, ist allerdings laut Guntram Alffen von Avi Networks schwer vorherzusagen. „Die Kosten für Speicherung und Übertragung von Daten sind komplex und hängen von vielen Faktoren ab.“ Sicher dürfte wohl nur sein, dass sie explodieren werden. Heute seien es vielleicht 2 Peta­byte, nächstes Jahr 5, in zwei Jahren 10 bis 15, so Alffen weiter. „Das wird wohl jeden finanziell sinnvollen Rahmen sprengen.“
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