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Digitale Dokumente beweissicher archivieren

Haltbarkeit von Speichermedien

von - 11.09.2020
Die große Herausforderung der Langzeitarchivierung ist, die Lesbarkeit der Daten über eine lange Speicherungsdauer zu gewährleisten. Medien, auf denen Dokumente zehn Jahre oder länger abgelegt werden, sollten idealerweise nicht altern und möglichst resistent gegenüber äußeren Einflüssen sein. Doch die Realität ist eine andere: Bei optischen Medien wie DVDs oder Blu-Rays gilt eine Lebensdauer von zehn bis 30 Jahren als realistisch, bei Festplatten sind es nur etwa fünf Jahre. Bänder verlieren ihre Magnetisierung nach 20 bis 30 Jahren und überstehen selten 40 Jahre.
Selbst optimale Lagerbedingungen bieten keine Garantie, wie das Deutsche Musikarchiv leidvoll erfahren musste. Dort wurden 200 Musik-CDs, die zwischen 1983 und 1986 zur
Archivierung eingegangen waren, unbrauchbar. In rund 25 Jahren Lagerung haben sie aggressive Lacke des Label­aufdrucks zerstört.
Doch nicht nur die Haltbarkeit des Mediums ist ein Pro­blem. Im Gegensatz zu Printprodukten, die lediglich dem zeitlich bedingten Materialverfall unterliegen, muss bei digitalen Dokumenten immer auch der technologische Fortschritt mit einkalkuliert werden. Es sollte deshalb auch berücksichtigt werden, wie lange die Hard- und Software zur Verfügung steht, mit der sich archivierte Daten auslesen lassen. Niemand garantiert, dass Lesegeräte über viele Jahre hinweg verfügbar sind. 
Marktübliche Computer haben beispielsweise schon lange kein Diskettenlaufwerk mehr integriert. Schon heute ist es schwierig, einen in den 1980er-Jahren auf 3,5-Zoll- oder gar 5,25-Zoll-Disketten gespeicherten Vertrag lesen zu können. In wenigen Jahren gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit keine CD- und DVD-Laufwerke mehr. Beispiele für Probleme mit veralteten Speichertechnologien gibt es in Hülle und Fülle. So konnte die NASA auf Daten der Saturnmission der Raumsonde Pioneer in Ermangelung entsprechender Lesegeräte nicht mehr zugreifen - trotz redundanter Speicherung auf verschiedenen Datenträgertypen.

Das WORM-Verfahren

Müssen Daten revisionssicher archiviert werden, galten lange Zeit Speichermedien nach dem WORM-Verfahren (Write Once Read Multiple) als einzige rechtskonforme Möglichkeit. WORM-Medien wie CD-R oder DVD-ROM sind nur einmal beschreibbar und werden damit den rechtlichen Anforderungen der Unveränderbarkeit von Daten gerecht. Diese Speichermedien sind - anders als Festplatten oder Tapes - aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften gegen Veränderungen geschützt.
Speziell für die elektronische Archivierung in Unternehmen wurde die 5,25-Zoll-WORM entwickelt. Anders als CD und DVD, die für den Endverbrauchermarkt bestimmt sind, fassen 5,25-Zoll-WORMs mehr Daten. Für die Verwaltung und Nutzung der WORM-Medien im Unternehmenseinsatz waren lange Plattenwechselautomaten, sogenannte Jukeboxen, gebräuchlich. Die Speichermedien befanden sich in stabilen Cartridges, die die Jukebox bei Bedarf automatisch wechselte, und galten als langlebig und fälschungssicher.
Diese Technologie litt jedoch unter mehreren Einschränkungen. So waren verschiedene Medientypen nicht kompatibel, sodass beim Austausch ein langwieriges Umkopieren der Daten nötig war. Die Verwaltung der teils ausgelagerten Medien war ebenso umständlich wie fehleranfällig. Vor allem hielt die eingeschränkte Skalierbarkeit der Jukeboxen den wachsenden Datenmengen nicht stand, und die Geschwindigkeit beim Zugriff genügte den Nutzeranforderungen nicht. Auch die nachfolgenden proprietären Archiv-Appliances sind wegen vieler Nachteile heute kaum mehr üblich.

Haltbarkeit von Datenträgern

Datenträger

Haltbarkeit in Jahren 1)

Angaben der Hersteller zum Langzeitverhalten

Fehlerkorrektur

HDD

5

MTBF (Mean Time Between Failures) - Fehlerrate; POH (Power-On Hours) - Betriebsdauer; AFR (Annualized Failure Rate) - Ausfallrate

SSD, Flash

10

Datensicherheit bis 10 Jahre, 10.000 bis 100.000 Schreib- und Löschzyklen pro Zelle

CD+-RW, DVD+-RW

10 bis 30

CD+-R, DVD+-R

10 bis 30

CD-ROM, DVD, BD

30 bis 50

Magnetband

30 bis 50

UDO (Ultra Density Optical)

30 bis 50

Datensicherheit bis 30 Jahre

HVD (Holographic Versatile Disc)

50 bis 100

Datensicherheit bis 50 Jahre

Mikrofilm

500

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