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Deutsche Start-ups als Treiber von Innovationen

Von A nach B über C

von - 03.01.2020
Start-ups N26
Vorzeige-Start-up: Die Smartphone-Bank N26 gehört mit einer 3-Milliarden-Euro-Bewertung zu den weltweit stärksten Jungunternehmen.
(Quelle: N26)
Als der Gründer Andreas Karanas erfuhr, dass die auf den Straßen fahrenden Lkw durchschnittlich nur zu rund 70 Prozent beladen sind, war ihm schnell klar, dass er das ändern wollte. Das Problem in der Praxis: die komplexe manuelle Disposition - also die Bündelung von Teil- zu Komplettladungen. Da er sich bis zur Gründung seines Unternehmens
Carrypicker im Jahr 2017 bereits seit mehreren Jahren mit Geschäftsmodellen rund um Künstliche Intelligenz befasst hatte, nahm er die Herausforderung an. "Die ersten 18 Monate hat unser Team aus Mathematikern und Datenanalytikern an den Algorithmen gearbeitet und sie mit mehr als 300 Millionen historischen Frachtdaten ‚gefüttert‘." Herausgekommen ist eine KI-Technologie, mit der das Hamburger Unternehmen vergangenes Jahr auf den Markt kam.
Carrypicker bezeichnet sich selbst als die "erste digitale Spedition", bei der die Frachtendisposi­tion von intelligenten Computer-Algorithmen übernommen wird. Während sich andere digitale Speditionen auf dem Markt auf Komplettladungen konzentrieren, optimiert Carrypicker mit KI-Unterstützung auch den Transport von Teilladungen. Das soll die Auslastung der Lastwagen um mehr als 10 Prozent steigern. Und davon profitieren laut Karanas alle. Es gebe weniger Verkehrsaufkommen und Staus, Unternehmen würden profitabler arbeiten und der CO2-Ausstoß sinke.
Carrypicker funktioniert so: Kunden legen ihren Auftrag auf der Plattform an, das System erkennt von selbst alle relevanten Sendungsdetails und bündelt den Auftrag automatisch mit anderen Aufträgen zu optimalen Touren.
Bei Carrypicker sind derzeit 20 Mitarbeiter beschäftigt, von denen allein zwölf für die Optimierung des Algorithmus zuständig sind. Das Bundesverkehrsministerium hat die Entwicklung der KI-Technologie von Carrypicker mit 2,4 Millionen Euro unterstützt.

Laserteile per Mausklick

Risikokapital
(Quelle: Ernst & Young )
Ob Kleinserien oder Prototypen - das im Jahr 2017 gegründete Jungunternehmen Laserhub aus Stuttgart vermittelt Aufträge für die Blechbearbeitung, speziell Laserschneiden, Biegen und Abkanten oder Pulverbeschichten. Unternehmen legen auf der Online-Plattform ihre Aufträge an - ein automatisierter Prozess prüft die CAD-Zeichnungen auf Machbarkeit, kalkuliert die Preise und identifiziert den passenden Produzenten. Laserhub übernimmt dabei das gesamte Lieferantenmanagement und sorgt dafür, dass die Teile in der gewünschten Qualität zum bestellten Termin beim Kunden eintreffen.
Dabei profitieren sowohl Metallverarbeiter als auch Kunden von der Plattform, Letztere von günstigen Kosten und hoher Flexibilität. Und das metallverarbeitende Gewerbe kann mit den kleineren Aufträgen über Laserhub eine ungleich verteilte Nachfrage seiner Produktionsanlagen ausgleichen. Denn auch in Zeiten voller Auftragsbücher sind die - meist hochpreisigen - Maschinen mal über- und mal unterausgelastet.
Die Idee zur Gründung kam Adrian Raidt nach neun Jahren als Angesteller im Maschinenbau. Bei der Entwicklung seiner Plattform hatte er zwei Fragen zu lösen: Wie kann man die technischen Hürden überwinden und den Kunden durch Automatisierung einen Mehrwert bieten? Und wie kann man die prozessuale Komplexität bewältigen und den Kunden gute Qualität sowie einen durchgängigen Prozess bieten - und vermeiden, von Reklamationen überschwemmt zu werden?
Nach mehreren Monaten Brainstorming ging er dann das Risiko ein und gründete Laserhub. Was er als Jungunternehmer dabei gelernt hat: Von der Idee bis zum funktionierenden Unternehmen - das sei eher ein Dauerlauf als ein Sprint. "Wir sind immer wieder auf Aufgabenstellungen gestoßen, die wir vorher nicht bedacht hatten", so seine Erfahrung. Zum Glück aber habe man noch stets eine Lösung gefunden.
Was der Erfolg auch mit sich bringt: Auf dem Markt tauchen immer mehr Wettbewerber auf. Hier profitiere man bei Laserhub aber von mehr als zwei Jahren Vorsprung. Und:  "Wir freuen uns über Marktbegleiter, die uns helfen, die Notwendigkeit für eine Digitalisierung der Beschaffung zu kommunizieren", resümiert Adrian Raidt.
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