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Deutsche Start-up-Szene entwickelt sich prächtig

Bürokratische Hürden

von - 17.04.2019
Top-5-Finanzierungsrunden 2018
Die größten Start-up-Finanzierungsrunden: Die Berliner Auto1-Gruppe sammelte im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten Geld ein.
(Quelle: Ernst & Young "Start-up-Barommeter Deutschland" (Januar 2018) )
Wenn man als deutsches Start-up die Hürde der Finanzierung genommen hat, dann steht man meist gleich vor einer weiteren: der deutschen und europäischen Bürokratie.
„Tatsächlich sind Gründer mit dem Standort Deutschland überwiegend zufrieden - außer mit der Verwaltung“, resümiert Jenny Boldt von Bitkom. Nicht nur das Gründen selbst sei hierzulande deutlich aufwendiger als in anderen Ländern, auch danach seien die bürokratischen Auflagen hoch. Das fange mit der Steuererklärung an und höre mit dem Versuch, Mitarbeiter aus Drittstaaten zu beschäftigen, noch lange nicht auf. „Die Politik hat das längst erkannt und verspricht immer wieder Erleichterung und Bürokratieabbau - leider ist davon in der Praxis oft wenig zu sehen.“
Axel Menneking vom Deutsche Telekom Hubraum sagt ganz klar: „Wir brauchen viel mehr Geschwindigkeit und Entschlossenheit auf allen Ebenen.“ Bürokratische Hürden im Gründungsprozess und bei der Besteuerung sowie Restriktionen rund um Venture Capital müssten zeitnah abgebaut werden.
Start-ups, die Gewinn erwirtschaftet haben
(Quelle: PwC )
Auch das Thema Datenschutz macht es Gründern nicht immer einfach. Dass es hierzulande
höhere Standards hinsichtlich des Datenschutzes gibt, ist mit Sicherheit auch ein Wettbewerbsvorteil. Doch auch hier besteht die Gefahr der Überregulierung, wie wohl auch die Politik inzwischen erkannt hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel jedenfalls warnte in ihrer Rede beim World Economic Forum in Davos Anfang vergangenen Jahres, die Gefahr sei groß, „dass wir zu langsam sind und die Welt über uns hinwegrollt, derweil wir philosophisch über die Frage der Datensouveränität debattieren“.

Fazit

Die Zahlen, die Einschätzungen der Experten und viele erfolgreiche Beispiele zeigen: Es müssen nicht immer das Silicon Valley, London oder Tel Aviv sein - auch hierzulande lassen sich erfolgreich Start-ups gründen. Viele Jungunternehmen bestätigen das. Laut Jenny Boldt von Bitkom empfehlen 80 Prozent der Gründer jungen Menschen, ein eigenes Start-up zu gründen. Und 93 Prozent der Gründer würden mit ihren aktuellen Erfahrungen erneut ein Start-up gründen. „Ob erfolgreich oder nicht, in keinem Job lernt man so viel, wie bei einer eigenen Gründung. Wenn man also eine gute Idee hat, sollte man nicht zu lange zögern, sie auch selber umzusetzen“, so ihre Empfehlung.
Christian Hoppe von der Silicon Valley Bank rät ebenfalls dazu, mutig zu sein und sich ein Beispiel an den zahlreichen innovativen deutschen Tech-Firmen zu nehmen, die es geschafft haben. „Im Englischen würde man sagen: ‚Think bold! Don’t stop!‘.“ Seiner Meinung nach sollte man sich von Anfang an Mitstreiter suchen, die von einer Idee mindestens genauso überzeugt sind, denen man vertraut und mit denen man gut zusammenarbeiten kann. Gleichzeitig könnten erfahrene Investoren mit einem nachhaltigen, langfristig gedachten Ansatz dabei helfen, strategisch sinnvoll zu agieren und neue Märkte zu erschließen. Denn am Ende zeige sich fast immer, dass der Erfolg eines Unternehmens immer auch eine Teamleistung ist.
Manuel Holzhauer vom InsurTech Hub München gibt jungen Unternehmern den Rat, es auch abseits der ausgetretenen Pfade zu versuchen: „Die Welt wartet nicht auf die nächste Smoothie-Geschmacksrichtung, sondern auf Ideen, die überraschen, von denen wir nicht mal ansatzweise ahnen, dass sie im Kopf unseres Gegenübers herumspuken könnten.“
Managing Director Axel Menneking vom Deutsche Telekom Hubraum gibt gründungswilligen jungen Leuten ein Zitat des 26. US-Präsidenten Theodore Roosevelt mit auf den Weg: „It is hard to fail, but it
is worse never to have tried to succeed.“
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