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Deutsche Start-up-Szene entwickelt sich prächtig

Stark im E-Commerce

von - 17.04.2019
Start-up-Ökosysem in Deutschland
Gründen mit Hindernissen: Rund ein Viertel der Start-ups bewertet das Ökosystem an ihrem deutschen Standort in Bezug auf Bürokratie, Verfügbarkeit von Mitarbeitern und wirtschaftspolitische Initiativen als "eher schlecht".
(Quelle: PricewaterhouseCoopers "Start-up-Unternehmen in Deutschland" (September 2018) )
Die deutschen Jungunternehmer haben bei ihren Gründungen eine ganz klare Präferenz, was den Geschäftsbereich angeht: So wurde im letzten Jahr, wie schon in den Vorjahren, mit einem Investitionskapital von 1,64 Milliarden Euro das meiste Geld im Bereich E-Commerce investiert, gefolgt von Software und Analytics mit einem Investitionsvolumen von 670 Millionen Euro. Auf den Bereich Fintech wiederum entfielen 659 Millionen Euro.
Nach den Erfahrungen von Axel Menneking, Managing Director von Hubraum, dem Tech-Incubator der Deutschen Telekom, folgen die deutschen Gründer grundsätzlich den globalen thematischen Gründungswellen. „In Summe ist Berlin als Internethauptstadt durch die führende Investoren- und Start-up-Community in den meisten Segmenten führend, insbesondere in den Bereichen E-Commerce sowie bei Software und Analytics.“
Die Zahlen zeigen, dass die meisten Start-ups in Deutschland nach wie vor im klassischen IT-Sektor wie dem Online-Handel und der Software-Entwicklung tätig sind.
Menneking sieht aber auch zunehmend thematische regionale Cluster rund um ansässige Industrie-Player. So finde man zum Beispiel in München und Stuttgart viele Jungunternehmen im Bereich Automotive und in der Bankenmetropole Frankfurt im Bereich Fintech.
Den Trend, dass sich Start-ups thematisch um bereits vorhandene große Unternehmen ansiedeln, nimmt auch Manuel Holzhauer, Managing Director des InsurTech Hub München, deutlich wahr. Die Start-up-Initiative InsurTech Hub wurde von zahlreichen Versicherungsunternehmen gegründet mit dem Ziel, München zu einem attraktiven Standort für internationale Insurtech-Start-ups zu machen. So nennt Holzhauer zum Beispiel für den Standort München internationale Größen wie den Rückversicherer Munich Re, die Allianz-Versicherung oder den Autobauer BMW, mit denen sich Start-ups vernetzen können.

Gut geklaut …?

Doch bei allem Lob - den deutschen Start-ups wird häufig vorgeworfen, fast nur sogenannte Copycats hervorzubringen, also Unternehmen, die erfolgreiche Geschäftsideen aus anderen Ländern kopieren. Diesen Vorwurf kann Manuel Holzhauer vom InsurTech Hub München jedoch nicht teilen, „da ich daran auch nichts Schlimmes sehe“. Seiner Meinung nach sind Copycats „smart follower“- „eine Idee aufgreifen, gemachte Fehler erkennen, das Produkt verbessern und eine noch bessere Lösung entwickeln - das ist ein ganz wichtiger Teil von Innovation.“ Diesem Prinzip folgend seien schon tolle Unternehmen entstanden.
Svetlana Drümmer
Svetlana Drümmer
Start-up-Managerin bei der DB Mindbox
https://dbmindbox.com/de
Foto: DB Mindbox
„Wichtig ist, dass man sich als Gründer genau überlegt, was man will.“
Ganz ähnlich sieht es die Start-up-Managerin Svetlana Drümmer von der DB Mindbox: „Ich persönlich finde an Copycats zunächst nichts Verwerfliches, sofern die Start-ups es schaffen, sich eine Besonderheit zu verpassen, sei es ein besseres Marktverständnis oder die Anpassung an die Landesbedürfnisse.“
Matthias Lais vom Main Incubator hält das Copycats-Vorurteil mittlerweile ohnehin für überholt. Er erklärt, dass man in Deutschland zum Beispiel mit den vielen Fintechs und neuen Banken auf viele eigene Start-ups stolz sein könne. „Dass sich Geschäftsmodelle ähneln, kommt jedoch immer wieder vor und kann durchaus sinnig sein. Die Herausforderung dabei ist, Ideen und Produkte auf den jeweiligen Markt zuzuschneiden und sie für die Bedürfnisse der Konsumenten zu adaptieren.“
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