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Mit Design Thinking innovative Ideen entwickeln

Zeit für wilde Ideen

von - 25.04.2018
Entwicklung neuer Ideen Design Thinking
Entwicklung neuer Ideen: Design Thinking setzt neben dem mehrstufigen Prozess auf optimierte räumliche Gegebenheiten und multidisziplinäre Teams.
(Quelle: HPI)
Beim Design Thinking wird davon ausgegangen, dass gute Ideen kein Zufall sind und dass sich kreative Prozesse positiv beeinflussen lassen. Man muss nur wissen, wie. Das Basisgerüst wurde ursprünglich von David Kelley entwickelt. Er ist Gründer der auf Design und Innovationen spezialisierten Agentur IDEO im Silicon Valley. Weitere bekannte Vertreter der Methodik sind Terry Winograd und Larry Leifer von der renommierten d.school an der Stanford University. Sie sind der Meinung, dass sich bestimmte Probleme besser lösen lassen, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten, gemeinsam eine Frage entwickeln und diese dann versuchen zu beantworten. Der Prozess wird dabei häufig in mehrere Phasen aufgeteilt, an deren Ende solide Konzepte und neue Produkte stehen sollen, die intensiv geprüft und mit mehreren Prototypen getestet wurden.
David Kelley und sein Bruder Tom beschreiben in ihrem Buch „Kreativität und Selbstvertrauen“ anschaulich, wie die Entwicklung eines Magnetresonanztomografen (MRT) mit Hilfe von Design Thinking verbessert werden konnte. Die mehrere Millionen Euro teuren Apparate können Organe und Gewebe im Körperinneren detailliert darstellen, ohne dass der Patient etwas davon spürt. Technologisch sind sie weitgehend ausgereift, aber vor allem bei sehr jungen Patienten verursachen sie teilweise massive Ängste. In einigen Fällen konnten die Untersuchungen daher nur durchgeführt werden, nachdem ein Anästhesist den Kindern ein Beruhigungsmittel verabreicht hatte.
Erst bei einem Besuch in der Röntgenabteilung eines Krankenhaus wurde Doug Dietz diese Problematik bewusst. Er ist einer der maßgeblichen Entwickler und Designer dieser Geräte beim Hersteller General Electric. Nachdem Dietz die gefundenen Probleme mit seinem Arbeitgeber besprochen hatte, wurde er auf einen einwöchigen Design-Thinking-Workshop an der d.school in Kalifornien geschickt. Dort kam Dietz mit dem „nutzerzentrierten Design- und Innovationsansatz“ in Berührung. Er lernte, Menschen zu beobachten, die bereits vorhandene Produkte nutzten. Er fing an, mit ihnen zu reden, um ihre Wünsche besser zu verstehen. Gemeinsam mit anderen Teilnehmern arbeitete Dietz dann an Prototypen, um den Bedürfnissen der Kunden besser gerecht zu werden.
Zurück an seinem Arbeitsplatz begann Dietz damit, seine neuen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. So besuchte er Kindertagesstätten, sprach mit Psychologen und stellte ein kleines Team zusammen, um selbst einen neuen Prototypen zu entwickeln. Das Ergebnis war ein MRT-Raum, der mit farbigen Aufklebern zum Beispiel in ein Piratenabenteuer verwandelt werden konnte. Für die medizinisch-technischen Assistenten, die das MRT bedienen, schrieben Dietz und sein Team zudem eine Art Drehbuch, das diese mit den kleinen Patienten durchspielen konnten. So fiel es den Kindern nun leichter, im Innern des Geräts still zu liegen, während die Untersuchungen durchgeführt wurden. Insgesamt entwickelte das Team neun verschiedene Abenteuerversionen. Die Zahl der Kinder, die für das MRT ruhiggestellt werden mussten, konnte dadurch drastisch gesenkt werden. Aber nicht nur das. Die Krankenhäuser profitieren auch wirtschaftlich von den neuen Entwicklungen, da pro Tag nun mehr Aufnahmen gemacht werden können.
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