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Cloud oder On-Premise - die Qual der Wahl

Vorteil Cloud

von - 23.04.2019
Bei der Frage nach den Vorzügen der Cloud nennen IT-Entscheider vor allem eines: Flexibilität. „Besonders gut eignen sich Workloads für die Cloud, die schnell in mehreren Regionen der Welt, in denen das entsprechende Unternehmen tätig ist, ausgerollt werden müssen. Von großem Vorteil kann das Pay-per-use-Modell der Cloud-Anbieter sein, wenn noch unklar ist, wie viele Ressourcen benötigt werden, wenn es starke Schwankungen im Ressourcenbedarf und Lastspitzen gibt oder wenn Ressourcen nur temporär benötigt werden“, so Sven Klindworth, Head of IT & UCC Solutions for Germany and Austria beim britischen Telekommunikationsunternehmen BT. Der extrem hohe Automatisierungsgrad erlaube es, Infrastruktur sehr schnell und einfach zu provisionieren, fährt er fort. Weitere Vorteile seien laufende Updates („Evergreening“) und ein geringes kommerzielles Risiko. Klindworth nennt aber auch eine Einschränkung: „Bei einer cloudbasierten Lösung erwerbe ich die Nutzungsrechte und muss die Lösung so nehmen, wie sie ist.“ Dafür bekomme man immer die aktuellste Version und müsse sich keine Gedanken um den Betrieb machen.
Je nach Modell zahle man zudem nur, wenn man den Dienst auch verwendet, betont Manfred Völker, Sales Director für die DACH-Region bei Diabolocom, Telekommunikations-Pro­vider und Anbieter von Cloud-Contact-Center-Lösungen.
Sven Klindworth
Sven Klindworth
Head of IT & UCC Solutions for Germany and Austria
www.bt.com
Foto: BT
„Ältere Software ist in der Cloud nicht ohne Weiteres lauffähig und kann oft nur mit enormem Aufwand angepasst werden.“
Nicht zuletzt ist die Cloud ein Enabler. Sie erlaubt Anwendungen und Geschäftsmodelle, die sonst undenkbar wären. So sieht das etwa Thorsten Harth, Managing Consultant beim IT-Dienstleister NTT Data Deutschland: „Mit innovativen Technologien wie Microservices oder Serverless Computing fördert die Cloud die Anpassung bestehender Services und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, beispielsweise im Marketing.“ Jens Puhle, Sales Director Germany beim Managed-Cloud-Provider Rackspace, stößt ins gleiche Horn: „Die Cloud ermöglicht viele neue Technologien, etwa in den Bereichen Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen.“
Georedundante Rechenzentren
Im Dezember 2018 hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seinen Leitfaden „Kriterien für die Standortwahl höchstverfügbarer und georedundanter Rechenzentren“ herausgegeben. Georedundanz meint den Betrieb an mehr als einem geografischen Standort, sodass bei technischen Problemen an einem Ort eine intakte Ressource am anderen Ort verfügbar ist.
Im Leitfaden erhöht die Behörde den empfohlenen Mindestabstand zwischen georedundanten Rechenzentren von 5 auf 200 Kilometer. Das erscheint aus Sicherheitsaspekten sinnvoll, in der Praxis jedoch schwierig bis unrealistisch. Die Anhebung des Mindestabstands habe mit der Wahrscheinlichkeit zu tun, dass regionale Katastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen beide Rechenzentren lahmlegen, so das BSI. Sollte im Einzelfall ein geringerer Abstand unabweisbar sein, müsse diese Notwendigkeit schriftlich ausführlich dargelegt und einer Risikoanalyse unterzogen werden. 
Für Betreiber von Rechenzentren hat diese Änderung weitreichende Folgen, insbesondere dann, wenn der Gesetzgeber diese als kritische Infrastruktur einstuft. Die Empfehlungen des BSI gelten vielen Unternehmen als Richtschnur für den sicheren IT-Betrieb. Manche Branchen folgen den Empfehlungen freiwillig, andere werden von den Regulierungsbehörden zur Einhaltung verpflichtet – etwa im Banken- und Finanzsektor. Unternehmen, die den Mindestabstand unterschreiten, müssen sich womöglich nach einem neuen Standort für das zweite Rechenzentrum umschauen. In vielen Fällen werden Unternehmen zudem ihre Desaster-Recovery-Strategien anpassen müssen. Denn mit der weiteren Entfernung erhöhen sich die Latenzzeiten der Daten, die zwischen den Rechenzentren hin und her verschoben werden. Dies macht vor allem die synchrone Replikation, auf der die Hochverfügbarkeit vieler Systeme aufbaut, nahezu unmöglich. Auch die Standortwahl selbst stellt eine gewisse Herausforderung dar: Wenn ein Rechenzentrum in Frankfurt steht, dann darf der Redundanzstandort nicht mehr Köln, Nürnberg oder Stuttgart sein, da diese Städte weniger als 200 Kilometer von Frankfurt entfernt sind.
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