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So schlägt sich die Blockchain in der Praxis

Personalwesen

von - 05.04.2019
Blockchain in der Unternehmenspraxis
Erst einmal abwarten: Die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen hat sich noch nicht mit der Blockchain beschäftigt.
(Quelle: Bitkom Research )
Zu den Sparten, in denen trotz Digitalisierung bislang immer noch der persönliche Kontakt eine große Rolle spielt, zählt das Personalwesen (Human Resources, HR). Doch auch HR-Abteilungen und Personaldienstleister setzen mittlerweile verstärkt auf die Digitalisierung. So bevorzugen nach Angaben des Digitalverbands Bitkom fast 87 Prozent der Personaler elektronische Bewerbungen per E-Mail oder über Online-Portale. Die Blockchain könnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Digitalisierung im Personalwesen sein.
„Diese Technologie lässt sich auch im Bereich Human Resources einsetzen“, bestätigt Sonja Pierer, Geschäftsführerin des Personaldienstleisters Experis. „Bewerber oder Freiberufler können beispielsweise Daten über ihre Qualifikationen und den beruflichen Werdegang in einer Blockchain-Datenbank speichern und diese Daten Interessenten zur Verfügung stellen.“ Allerdings muss sichergestellt sein, dass ein Bewerber tatsächlich die angegebenen Qualifikationen erworben hat oder nicht das Arbeitszeugnis eines früheren Arbeitgebers aufgehübscht wurde.
Sonja Pierer
Sonja Pierer
Geschäftsführerin von Experis
https://de.experis.com
Foto: Experis
„Blockchain ist kein Ersatz für professionelle Auswahlverfahren im Bereich Human Resources. Denn die Blockchain-Technologie gibt keinen Aufschluss, über welche ‚Soft Skills‘ ein Bewerber verfügt.“
Das lässt sich erreichen, indem Firmen, Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen Zeugnisse und Referenzen mit kryptografischen Verfahren signieren. Erste Hochschulen stellen bereits Zertifikate aus, die in einer Blockchain abgelegt werden. Dazu gehört beispielsweise die Frankfurt School of Finance & Management.
Auch die Universität Basel hat im Frühjahr 2018 ein vergleichbares Verfahren etabliert. Dafür kommen zwei Tools zum Einsatz: Das erste automatisiert die Ausgabe der Zertifikate und regis­triert diese anhand ihres kryptografischen Hash-Werts auf der Blockchain. Das zweite ist öffentlich verfügbar und ermöglicht es jedermann, mit einem Mausklick zu überprüfen, ob ein elektronisches Zertifikat mit diesem Inhalt von der Uni vergeben wurde.
Blockchain-Plattformen für Unternehmen (Auswahl)

Anbieter

Produkt

Details

BlockOne

EOS IO

Zugang: permissioned und permissionless; Basis: Ethereum; Open Source; Smart Contracts; Zielgruppe: branchenübergreifend; DPoS-Konsensprotokoll (Delegated Proof of Stake) mit niedrigerem Energieverbrauch bei Knoten als Ethereum

Ethereum

Ethereum

Zugang: permissionless; Plattform für Blockchain-Apps der Ethereum Foundation; Open Source; Programmiersprachen u. a. Go, C++, Python, Java. Solidity; hohe Performance; großer Marktanteil

Hydrachain

Hydrachain

Zugang: permissioned; Basis: Ethereum; ausgelegt für Aufbau privater Blockchain-Konsortien, etwa im Finanzbereich

Hyperledger Fabric

Hyperledger Fabric

Zugang: permissioned; stammt ursprünglich von IBM und Digital Asset; jetzt Projekt der Linux Foundation; modularer Aufbau (Verschlüsselung, Identity Management, Konsensverfahren); Teilnehmer sind einander bekannt, haben jedoch keine Kenntnis über Aktivitäten der anderen Nutzer; Smart Contracts (Chaincode); unter anderem von Walmart eingesetzt (Lieferketten im Lebensmittelbereich)

Hyperledger

Hyperledger

Stammt ursprünglich von IBM und Digital Asset; Open Source; Programmiersprachen u. a. Javascript, Go (Standard) plus weitere über Module; modulare Architektur mit separaten Knoten für Smart Contracts, Konsensmechanismen und Infrastruktur; hohe Performance; für B2B- und B2C-Anwendungen

Insolar

Insolar

Zugang: permissioned; Open Source; für B2B-Transaktionen; seit Ende 2018 aktiv

Iota

Iota

Zugang: permissionless; Basis: „Tangles“ (gerichtete azyklische Graphen) statt Blockchains; Zielgruppen: Finanzdienstleister, Supply Chains, E-Health, Energiesektor, Sensornetzwerke (IoT)

Multichain

Multichain

Zugang: permissioned; Open Source; Basis: Bitcoin; Support von privaten und öffentlichen Blockchains; primäre Zielgruppe: Finanzsektor, aber auch Branchen wie Logistiksektor (siehe Feldversuch von GS1 Germany mit dem Tausch von Transportpaletten)

Neo

Neo

Zugang: permissioned; von China offiziell unterstützte Plattform; Open Source; Fokus auf digitalen Identitäten, Smart Contracts und „Digital Assets“; hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit von bis zu 10.000 Transaktionen pro Sekunde

OpenChain

OpenChain

Zugang: permissioned; Open Source; Client-Server-Struktur statt Peer-to-Peer-Netz; jeder Nutzer kontrolliert seine OpenChain-Instanz

Quorum

Quorum

Zugang: permissioned; entwickelt von JP Morgan auf Basis von Ethereum; für private und öffentliche Transaktionen; Schwerpunkt: Smart Contracts; Zielgruppe im ersten Schritt vor allem Finanzdienstleister

QTUM

QTUM

Zugang: public und permissioned; Open Source; Basis; Ethereum und Bitcoin; Open Source; über Cloud-Marktplatz von AWS verfügbar; optimiert für Zugang über mobile Endgeräte; für unterschiedliche Branchen ausgelegt, u. a. Finanzsektor, Internet der Dinge, Social Media; Support von Smart Contracts und Decentralized Governance Protocol (DGP)

R3

Corda Platform/ Corda Enterprise

Zugang: permissioned; Corda auf Open-Source-Basis; Corda Enterprise als kommerzielle Version; Schwerpunkt bislang auf Finanzsektor; Smart Contracts; auch als Cloud-Service verfügbar; Anbieter R3 agiert zudem als Betreiber eines Blockchain-Konsortiums

Ripple

Ripple

Zugang: permissioned; Schwerpunkt auf Zahlungsabwicklung; Hauptzielgruppe: Finanzdienstleister, Banken; Positionierung als Konkurrent von Bitcoin; laut Kritikern unklar, ob es sich um eine klassische Enterprise-Blockchain-Plattform handelt

Stellar

Stellar

Zugang: permissioned und permissionless; Open Source; Zielgruppe; Finanzdienstleister; starker Fokus auf Services für mobile Endgeräte; Software Development Kits für JavaScript, Java, Go sowie von Community bereitgestellte SDKs für Ruby, Python, und C#

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