Blockchain-Vorreiter ­setzen auf Pay as you go

Microsoft in Führung

Im Schatten seiner Blockbuster Windows und Office hat Microsoft sich im Lauf der letzten Jahre auf vielen innovativen IT-Gebieten engagiert – durchaus mit Erfolg. So hat sich der Konzern aus Redmond auch zum Blockchain-Technologieführer entwickelt. Bereits 2015, und damit zu einem frühen Zeitpunkt der Blockchain-Geschichte, debütierte auf Microsofts Cloud-Plattform Azure ein Blockchain-as-a-Service-Dienst namens EBaaS (Ethereum Blockchain as a Service). Mit EBaaS sollten Unternehmen in die Lage versetzt werden, einen experimentellen Sandkasten für die Entwicklung von Prototypen smarter Verträge auf der Basis der Ethereum-Blockchain aufzusetzen.
Unternehmen die den Einsatzt von Blockchain prüfen
Quelle: Yougov/Sopra Steria Consulting, Oktober 2017
Mit dem Dienst zielte Microsoft ursprünglich vor allem auf die Fintech-Branche ab. In der ersten Implementierung fehlte der Plattform allerdings noch die Fähigkeit der Rechteverwaltung und so konnten Unternehmen nicht viel damit anfangen. Microsoft ging mit der Wunschliste der Azure-Nutzer zurück ans Reißbrett und hat in mehreren Iterationsstufen den Dienst nachgebessert. Das Resultat ist ein Ökosystem von Blockchain-Lösungen der Enterprise-Klasse. 
Anfang 2017 war Azure die erste Public Cloud mit Unterstützung für öffentliche Blockchains sowie für Blockchains, die von einem Unternehmenskonsortium kontrolliert werden. Und im August 2017 stellte Microsoft die quell­offene Plattform Coco Framework für hochskalierbare, vertrauliche Blockchain-Netzwerke vor. Diese zwei Beispiele stehen dafür, dass Microsoft keine Gelegenheit auslässt, um das eigene Blockchain-as-a-Service-Ökosystem zu komplettieren.
Inzwischen können Azure-Nutzer außer Ethereum auch andere Blockchain-Netzwerke in der Cloud aufsetzen, darunter Quorum (EEA), Hyperledger Fabric, R3 Corda und Chain Core. Darüber hinaus ist es auf Azure möglich, private, öffentliche und konsortiumkontrollierte Blockchain-Ökosysteme im Produktivbetrieb zu nutzen. Letzteres war die eigentliche Herausforderung. Konsortiumkontrollierte Netzwerke benötigen nämlich Fähigkeiten zur verteilten Verwaltung der Blockchain durch mehrere Handelspartner unter Gewährleistung einer erhöhten Vertraulichkeit – ein entscheidendes Kriterium für den unternehmerischen Einsatz. 
Microsoft legt sehr viel Wert auf die Integration der Blockchain-Dienste mit seinen anderen Technologien. Azure-Nutzer können decentralized Apps mit Microsofts Technologien wie Cortana Analytics, Power BI, Azure Active Directory, Office 365 und anderen integrieren. Dabei können Unternehmen mit Hilfe von Cryptlets – kryptografischen Middleware-Bausteinen der Smart-Contract-Architektur von Microsoft – externe Daten in ihre Blockchains einpflegen. „Cryptlets kommen dann zum Zuge, wenn zur Ausführung einer Transaktion oder eines Vertrags zusätzliche Informationen zeitgerecht von den Märkten abgefragt werden sollen“, erläutert Marley Gray, Microsofts leitender Programm-Manager für Azure-Blockchain-Engineering.
Marley Gray
Marley Gray
Leitender Manager für das Azure-Blockchain-Engineering bei Microsoft
Foto: Microsoft
„Es wird möglich, den Mittelsmann abzuschaffen und stattdessen den Handel auf Peer-to-Peer-Basis zu betreiben.“
Eine Palette von Middleware-Tools aus dem Azure Marketplace soll der Technologie in einer Vielzahl von Anwendungsszenarien einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen entlocken. „Es besteht die Möglichkeit, den Mittelsmann abzuschaffen und stattdessen den Handel auf Peer-to-Peer-Basis zu betreiben und durch die Anbindung der Lieferkette an das Finanzwesen Neuland zu betreten“, führt Gray aus.
Microsoft sieht den größten Nutzen der Blockchain-Technologie im Zusammenhang mit Identitätsmanagement und Verschlüsselung – beides Voraussetzungen für den Einsatz im Unternehmensumfeld. In Zusammenarbeit mit Accenture und anderen Mitgliedern der Decentralized Identity Foundation experimentiert der Azure-Betreiber mit der Blockchain als Grundlage für ein cloudbasiertes System zur sicheren Verwaltung dezentralisierter digitaler Identitäten, sogenannter DIDs.
Im Rahmen dieser Zusammenarbeit entstehen unter anderem ein verschlüsselter Datastore für dezentralisierte Identitäten und ein Server namens Universal DID Resolver, der zwischen DIDs verschiedener Blockchains vermitteln soll. Microsoft möchte bereits in Kürze die eigene App Authenticator um die Unterstützung dezentralisierter Identitäten erweitern.  In dem von Microsoft avisierten Design der App soll die ID eines Benutzers in der Blockchain verankert sein, während die eigentlichen Identitätsdaten außerhalb der Blockchain im sogenannten ID-Hub in verschlüsselter Form gesichert werden. Dort sollen die Daten selbst für Microsoft unzugänglich sein. 
Microsoft hat in Sachen Blockchain-Führerschaft noch ein weiteres Eisen im Feuer. Mit dem Enterprise Smart Contracts Framework entsteht bei Microsoft eine Technologieplattform für dApps der Enterprise-Klasse. Das Framework soll auf der bestehenden Infrastruktur ein Multi-Trust-Modell für smarte Verträge implementieren.
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