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Zweckbündnis für das Auto der Zukunft

Industrie als Hidden Champion

von - 25.01.2017
Frank Rinderknecht
Visionär II: Der Schweizer Autovordenker Frank Rinderknecht in seinem Rinspeed Elton.
(Quelle: Foto: Rinspeed)
Selten war die öffentliche Debatte um eine neue Technologie so emotional aufgeladen wie die um das autonome Fahren. Unfälle werden breit diskutiert – und gern mal vorschnell dem selbstfahrenden Auto zur Last gelegt, so auch als ein Google Car Mitte September in einen schweren Unfall verwickelt war. ­Dabei hatte ein Kleinlaster eine rote Ampel übersehen und war in das Google-Auto ­gerast. Politiker aller Parteien lassen sich oft bei Pressefahrten in selbstfahrenden Autos ablichten. Auf allen Automessen werden ständig weiterentwickelte Modelle vorgestellt, und natürlich bestimmen Google, Uber und vor allem Tesla mit ihrem Marketing-Geschick die Schlagzeilen.
Tatsächlich wirkt es auf den ersten Blick so, als würden die neuen Spieler im Automobilmarkt die Etablierten vor sich hertreiben. Google testet seit 2009 sein Google Car, zunächst auf der hauseigenen Teststrecke, inzwischen längst auf den öffentlichen kalifornischen Straßen. Tesla hat seine Limousine ­Model S 2015 per Software-Update zum Selbstfahrer gemacht und seine Käufer ­damit im Handstreich in einen breit angelegten Beta-Test eingebunden. Und Uber lässt seit Ende September selbstfahrende Taxis durch Pittsburgh kurven. Noch sitzt ein Fahrer hinterm Lenkrad, um im Ernstfall eingreifen zu können – aber wie lange noch?
Self-Driving-Uber
Pittsburgh: Uber testet umgerüstete Ford Fusion als selbst­fahrende Taxis.
(Quelle: Uber)
Schaut man genauer hin, ergibt sich ein anderes Bild: Die klassischen OEM (Original Equipment Manufacturer) haben sich beim autonomen Fahren keineswegs von den jungen Wilden abhängen lassen. Stattdessen treiben vor allem Mercedes, BMW und Audi, aber auch Ford, General Motors, Fiat Chrysler und Volvo das Thema mit aller Macht voran – sie reden nur nicht so viel darüber. Insgesamt sind derzeit 2838 Patente zum autonomen Fahren angemeldet, hat das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln gezählt. Davon entfällt über die Hälfte auf klassische Autohersteller, gut ein Drittel auf die etablierten Zulieferer wie Bosch und Continental. Google Tesla, Apple und Co. kommen nur auf 7 Prozent.
Besonders weit vorn in Sachen Innovation stehen die deutschen Unternehmen: 58 Prozent der weltweit angemeldeten Patente zum autonomen Fahren entfallen auf deutsche Hersteller. Vor diesem Hintergrund gönnt man sich ein wenig Arroganz gegenüber den Neuen. „Wir in Deutschland haben auf jeden Fall sehr viel Erfahrung mit dem Auto an sich, was in jedem Fall ein deutlich komplexeres Produkt ist, als das ein Neuling auf dem Markt vermuten mag“, so Michael Hafner, Leiter Fahrerassistenzsysteme und Aktive Sicherheit bei Mercedes-Benz. „Wir schätzen die Leistung der ‚digitaleren‘ Kollegen aber auch, weil sie das Thema autonomes Fahren so prominent ins Rampenlicht gerückt haben.“
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