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Forschungsarbeit

Windows-10-Updates sind zu chaotisch

von - 01.03.2019
Frustrierter Anwender am Laptop
Foto: alphaspirit / Shutterstock.com
Microsoft sollte dringend die Methodik für seine Windows-Updates überarbeiten. Wie ein Forscherteam aus Großbritannien festgestellt hat, überfordern die Konfigurationsmöglichkeiten derzeit die meisten Nutzer der Home-Edition.
Wie, wann und warum Windows 10 Updates installiert, ist für die meisten Nutzer ein Buch mit sieben Siegeln. Denn neben den lang bekannten monatlichen Sicherheitsupdates zum Patchday verteilt Microsoft auch munter kumulative Updates sowie zwei Mal im Jahr ein großes Feature-Update, das einer Neuinstallation von Windows 10 gleichkommt. Doch damit nicht genug: So lassen sich Aktualisierungen etwa auch aufschieben und zu einem späteren Zeitpunkt installieren. Wie und in welchem Rahmen der individuelle Update-Fahrplan einstellbar ist, hängt wiederum maßgeblich von der verwendeten Windows-Edition ab. Während Windows 10 Enterprise und Pro eine flexible Konfiguration von Aktualisierungen erlauben, werden für Home-Nutzer nämlich Zwangsupdates ausgespielt.
Nutzungszeit win10
Das definieren der Nutzungszeit soll Anwender vor unerwünschten Neustarts bewahren. In der Praxis klappt das allerdings nicht ganz so gut.
(Quelle: Screenshot / com! professional )
Mit der chaotischen Update-Thematik von Windows 10 hat sich nun auch ein britisches Forscherteam aus dem University College London befasst. In ihrer Arbeit "In Control with no Control: Perceptions and Realityof Windows 10 Home Edition Update Features [PDF]" befassen sich die Wissenschaftler eingehend mit der Update-Methodik von Windows 10 in der Home-Edition. Im Rahmen der Studie wurden zudem 93 Teilnehmer zu ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen bei der Nutzung des Microsoft-Betriebssystems befragt.
Die Standardausführung von Windows 10 ist für Endkunden vorgesehen und soll daher auch in erster Linie mit Komfort punkten. Aktualisierungen werden deshalb automatisch heruntergeladen und auch installiert. Dennoch stellen die Redmonder ihren Nutzern verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten zur Seite, um den Update-Vorgang möglichst nahtlos in die alltägliche Arbeit mit dem System einfließen zu lassen.

Nutzungszeit schützt vor Neustarts nicht

So lässt sich in den Windows-Einstellungen etwa die Nutzungszeit festlegen. In diesem, maximal 18 Stunden umfassenden, Zeitraum werden keine Update-bedingten Neustarts automatisch ausgeführt. Falls ein Reboot erforderlich ist, bietet das System an, diesen manuell einzuleiten.
Wie die Forscher allerdings herausgefunden haben, werden die Standard-Einstellungen der Nutzungszeit nur den wenigsten Anwendern gerecht. Lediglich für drei der 93 Teilnehmer war die Funktion damit auch gewinnbringend. Rund die Hälfte aller befragten Nutzer hatte hingegen mit unerwarteten Neustarts zu kämpfen. Die Studie ergab zudem, dass die Nutzungszeit-Funktion ohnehin nur 28 Prozent der Teilnehmer bekannt war. Nach einer Feinjustierung konnte das Feature allerdings für immerhin 78 Prozent ungewollte Neustarts verhindern.
Allgemein waren aber die meisten Teilnehmer mit der Art und Weise, wie Windows anstehende Updates herunterlädt und installiert, zufrieden. Die Freiwilligen bewerteten mehrheitlich die von Microsoft ausgerollten Updates als qualitativen Zugewinn.

Windows 10: Diese Verbesserungen wünschen sich die Forscher

Nichtsdestotrotz hat das Forscherteam einige Vorschläge für Microsoft parat, wie sich die Update-Methodik für Windows 10 generell verbessern lasse. So unterstützen außerhalb der Microsoft-Welt etwa noch zu wenige Tools die sogenannte Application Recovery and Restart API. Diese Schnittstelle stellt sicher, dass bei einem automatischen System-Neustart ein beendetes Programm problemlos mitsamt aller Daten wiederhergestellt wird. Microsoft müsse hier seine Stärke am Markt ausspielen, um mehr Entwickler zur Implementierung der API zu bewegen. Ansonsten plagen sich Nutzer auch in Zukunft mit Datenverlusten infolge von Reboots ab.
Ebenfalls verbesserungswürdig sehen die Forscher die Nutzungszeit-Funktion an. Anstatt starre Default-Einstellungen vorzugeben, die auf kaum einen Anwender zutreffen, könnte hier eine anwendungsorientierte Konfiguration deutliche Vorzüge liefern.
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