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Ist blaues Licht Schlafräuber oder harmloser Reiz?

Erhöhter Erregungslevel

von - 23.08.2019
Somnologe Wiater betont aber, dass neben dem Licht auch weitere Faktoren berücksichtigt werden müssten: "Aus schlafmedizinischer Sicht ist neben der negativen Wirkung des blauen Lichtes auch der erhöhte Erregungslevel, der mit der Mediennutzung einhergeht, ein Faktor, der Schlafstörungen verursachen kann."

Wiater hat zusammen mit Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik untersucht, ob Schichtarbeiter, die lange künstlichem Licht ausgesetzt sind, an Schlafmangel leiden. Ein Ergebnis: Kaltweißes bis neutralweißes Licht in der Spätschicht macht wacher, ohne sich negativ auf das Schlaf-Wach-Verhalten auszuwirken. Langzeitstudien sollen weitere Erkenntnisse liefern.

Laut Prof. Eter gibt es keine wissenschaftlich fundierte Empfehlung, wie lange vor dem Schlafengehen man auf blaues Licht verzichten sollte. "Es gibt heute so viele Störfaktoren, die den Schlaf beeinflussen, vielleicht sind die Menschen auch unterschiedlich empfindlich", sagt die Ärztin.

Streulichteffekte und Blendungsgefühl

Ob schlaflos oder nicht - die subjektive Wahrnehmung beim Blick aufs Display kann sich unterscheiden. "Nutzer empfinden es als angenehm, wenn das Licht etwas wärmer wird", sagt Prof. Strauß. Ursache sind Streulichteffekte. Blaues Licht wird am meisten gestreut, das kann die Sehschärfe vermindern. Das Licht trifft nicht nur die Zapfen, sondern auch die Stäbchen im Auge, die erholen sich langsamer. "So entsteht das Blendungsgefühl", führt Strauß aus.

Wer sich also abends vom Displaylicht gestört fühlt, sollte aus Komfortgründen ruhig die Einstellmöglichkeiten an Smartphone, Tablet, Notebook oder Monitor nutzen. Auch der Dunkelmodus (Dark Mode), bei dem die Schrift kontrastreicher hervortritt, kann durchaus sinnvoll sein. "Auf jeden Fall ist die Schrift dann leichter zu lesen", sagt Prof. Eter. Ein Muss sei beides jedoch nicht.
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