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Linguistische Merkmale entziffern

Lügendetektor für E-Mails

von - 14.07.2016
Lügendetektor
Foto: Maxx-Studio / Shutterstock.com
Forscher der Londoner Cass Business School haben einen Algorithmus entwickelt, der Lügen in E-Mails erkennen kann. Linguistische Merkmale werden dabei zur Identifikation herangezogen.
Lügenbaron Münchhausen
Ob der Algorithmus der Engländer auch dem Lügenbaron Münchhausen auf die Schliche gekommen wäre?
(Quelle: August von Wille, gemeinfrei)
Lügen haben kurze Beine. Das gilt jetzt speziell auch für E-Mails und andere elektronische Mitteilungen. Denn Forscher der in London ansässigen Cass Business School haben einen Algorithmus entwickelt, der E-Mail-schreibende Lügner erkennt. Das Verfahren sucht nach linguistischen Merkmalen, die auf Täuschung und Irreführung hinweisen. Um diese Indikatoren herauszufiltern, haben die Wissenschaftler ein größeres Archiv von E-Mails einer automatischen Textanalyse unterzogen.
Dabei kristallisierten sich drei Hauptmerkmale heraus, an denen Lügenmails erkannt werden können:
  1. betrügerische Mail-Schreiber vermeiden Personalpronomen und überflüssige Beschreibungen; sie verwenden beispielsweise keine unnötigen Adjektive
  2. betrügerische Mail-Schreiber übertreiben es mit der Strukturierung ihrer Argumente
  3. betrügerische Mail-Schreiber üben wenig Selbstkritik und verwenden viele Schmeicheleien. Sie versuchen den Sprachstil des Empfängers nachzuahmen, um bei diesem einen guten Eindruck zu hinterlassen.
Der Nutzen des Algorithmus ist somit vielfältig. So könnte er auch verwendet werden, um im Geschäftsalltag vor Betrügern zu warnen. "Jeder lügt und viele Firmen stellen fest, dass der Kunde nicht immer Recht hat. Vielmehr können gerade Kunden vielmals unehrlich sein, was die Unternehmen viel Geld kostet", meint Tom van Laer, Marketingdozent an der Cass Business School. "Mit unserer Lügendetektorsoftware können Firmen beurteilen, ob die Kunden die Wahrheit etwas zu ihren Gunsten zurechtbiegen und sie mit ihnen weiterhin Geschäfte machen wollen", so van Laer.
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