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Nach Hause ausweichen

Coronavirus zwingt Betriebe zum Experiment Homeoffice

von - 17.03.2020
Home Office
Foto: picture alliance / dpa
Bislang ziehen die meisten Beschäftigten das Büro als Arbeitsort dem Homeoffice vor. In der Coronavirus-Krise müssen aber viele Arbeitnehmer provisorisch nach Hause ausweichen.
Sicherheit geht vor: Kein Weg zur Arbeit mit langen Staus oder überfüllten Zügen. Und Sofa oder Gartenstuhl statt Großraumbüro. Für viele Arbeitnehmer, die Angst vor einer Coronavirus-Infektion haben, erscheint das Homeoffice, eher wie eine Belohnung als eine Strafversetzung.
Die Digitalbranche hofft nun, dass in der Krise hartnäckige Vorurteile gegen das mobile Arbeiten durch die Erfahrungen in der Krise überwunden werden.
"Corona ist Chance wie Aufforderung, Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheitswesen noch entschiedener und schneller zu digitalisieren", sagt der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg. So sollten Technologien für Webkonferenzen eingeführt und Homeoffice zum Standard werden. Vor dem Ausbruch der Sars-CoV-2-Pandemie standen allerdings nicht nur viele Verantwortliche in Betrieben oder Organisationen dem Homeoffice skeptisch gegenüber, sondern auch etliche Beschäftigte.
Der Bitkom selbst fand Ende des vergangenen Jahres heraus, dass zwar vier von zehn Festangestellten (41 Prozent) im Homeoffice arbeiten dürften, die meisten dies aber dankend ablehnen. "Rund 62 Prozent der Festangestellten mit Homeoffice-Erlaubnis machen davon keinen Gebrauch, während 38 Prozent lieber in den eigenen vier Wänden arbeiten." Die Homeoffice-Skeptiker wünschen sich den sozialen Kontakt, manche von ihnen befürchten auch einen Karriereknick, wenn sie nicht ständig im Büro präsent sind. Nach einer aktuellen Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) lehnt auch knapp die Hälfte der Beschäftigten eine Vermischung von Arbeitszeit und Freizeit ab, was im Homeoffice deutlich schwerer durchzuhalten ist als im Büro.

Nur kleiner Bruchteil kann von zu Hause aus arbeiten

Die aktuelle Krisensituation wischt viele dieser Bedenken nun vom Tisch - mit der Einschränkung, dass in Deutschland nur ein kleiner Bruchteil der Beschäftigten überhaupt zu Hause oder mobil arbeiten kann. In der Produktion haben einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge nur zwei Prozent der Arbeitnehmer, die nicht zu den Führungskräften gehören, Zugang zu einem Homeoffice. Im Bereich "Service, Verwaltung, Dienstleistungen" liegt der Anteil bei 14 Prozent. Bei Mitarbeitern aus dem Vertrieb und den Marketing-Abteilungen sind es immerhin 21 Prozent. Bei den Führungskräften liegen die Zahlen der IAB-Studie mehr als doppelt so hoch.
"Manche Firmen aus dem Produktionsbereich haben schon deshalb ihren Verwaltungsmitarbeitern keine Homeoffice-Option angeboten, um Neidgefühle von den Arbeitern in der Produktion zu vermeiden", erläutert Arbeitswelt-Experte Oliver Stettes vom IW. Die aktuelle Auslagerung der Arbeit auf Heimarbeitsplätze im großen Stil sei aber vor allem ein Zwangstest für eine neue Arbeitskultur. Können Arbeitsziele auch ohne ständige Kommunikation im Büro erreicht werden? Müssen die Beschäftigten im Homeoffice zur selben Zeit präsent sein wie sonst auch? Oder dürfen sie ihr Arbeitspensum leisten, wann immer sie wollen?
Der aktuelle zeitliche Umfang der Telearbeit ist im Vergleich zu den Nichtkrisenzeiten ohnehin ein entscheidender Unterschied. Der IAB-Studie zufolge waren ganze Homeoffice-Tage bislang nur vergleichsweise selten, denn knapp zwei Drittel derjenigen, die ein Homeoffice nutzten, arbeiteten nur stundenweise von zu Hause aus.
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