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Kommentar zum Data Transfer Project

Open-Source-Systeme sind für ein freies Internet unabdingbar

von - 27.07.2018
Alexander Krull
Microsoft, Google, Facebook und Twitter kündigten kürzlich ihr Data Transfer Project an, das die Datenübertragung zwischen den Services der Tech-Größen erleichtern soll. Aber erst wenn eine Vielzahl ihre digitalen Grenzen öffnet, wird das Angebot für die breite Masse interessant.
Dieser Beitrag wurde erstellt von Alexander Krull, Senior Vice President Global Sales bei Webtrekk
Vor wenigen Tagen haben die US-Schwergewichte Microsoft, Google, Facebook und Twitter ihre gemeinsame Initiative Data Transfer Project verkündet. Das Projekt soll die Datenübertragung zwischen den unterschiedlichen Services der Tech-Größen erleichtern. Umständliches Herunterladen und Wiedereinspeisen der eigenen Daten von einem alten in einen neuen Account soll somit hinfällig werden. Wer seine Fotos beispielsweise von Instagram zu Flickr transferieren möchte, kann dies nun auf unkomplizierte und zeitsparende Weise dank offener Schnittstellen tun.
Bisher waren die Big Player sehr darauf bedacht, ihre Nutzer durch zusätzliche Angebote und Bedingungen in ihrem jeweilig abgeschlossenen System zu halten. Nun soll das Data Transfer Project die Daten-Portabilität und Kompatibilität steigern. Eine positive Entwicklung, denn die Möglichkeit des leichteren Datenaustausches verringert den möglichen Lock-In-Effekt der US-Konzerne. Doch inwieweit der Service genutzt wird, muss sich erst noch zeigen. Die Initiative ruft Mitstreiter dazu auf, sich dem Bündnis anzuschließen. Erst wenn eine Vielzahl an Plattformen, Webdiensten und IT-Unternehmen ihre digitalen Grenzen öffnen, wird das Angebot für die breite Masse interessant.  

Der tatsächliche Umfang des Datenaustausches

Darüber hinaus muss sich auch der tatsächliche Umfang des Datenaustausches in der Praxis herausstellen. Die Initiative verkündet auf ihrer Website: "Nutzer sollten die Kontrolle über ihre Daten im Internet haben. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, eigene Daten zu verwalten bzw. zu bewegen".
Für einfache Anwendungsfälle, wie das Übertragen von Fotos und Playlists, mag das Data-Transfer-Verfahren funktionieren, doch die wahren Datenschätze in Form von Aktivitätsdaten verbleiben womöglich weiterhin für den Nutzer in den Untiefen proprietärer Plattformen unerreichbar. Aber genau in diesen Daten, welche Auskunft über das digitale Verhalten des Nutzers geben, liegt für Unternehmen der eigentliche Wert. Schließlich ermöglichen sie ein gezieltes Targeting bei Ausspielen von Werbung und sind somit elementar für den Erfolg der jeweiligen Marketing-Kampagnen. Möchten Anwender die Plattform wechseln und die Kontrolle über ihre Daten behalten, ist ihnen demnach empfohlen, auf ein vollständiges Löschen ihrer Daten zu bestehen, nachdem der Umzug abgeschlossen ist.

Nach Skandalen und Klagen

Der Grundgedanke hinter dem Data Transfer Project ist richtig und wichtig. Open-Source-Systeme sind für ein freies und unabhängiges Internet unabdingbar. Doch scheint es kein Zufall, dass Microsoft, Google, Facebook und Twitter gerade jetzt die Gründung der Initiative verkünden. Nach Skandalen wie der Facebook-Causa Cambridge Analytica oder der Klage der Europäischen Kommission gegen Google wegen eines Kartellrecht-Verstoßes - das Image der großen Konzerne ist geschwächt, immer mehr Nutzer hinterfragen ihre Datenschutzstandards und Marktstrategien kritisch.
Das Data Transfer Project kann dieses Misstrauen gegebenenfalls dämpfen, bei einer erfolgreichen Etablierung das Image sogar verbessern. Wichtig ist daher, dass die verantwortlichen US-Unternehmer das Potenzial ihres Bündnisses ernst nehmen und sich langfristig für mehr Transparenz und Offenheit im Bereich des Datenmanagements einsetzen.
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