Die Open-Source-Cloud wird erwachsen

Wohin entwickelt sich Open Stack?

von Hartmut Wiehr - 28.04.2017
Wie rasant die Entwicklung der OpenStack-Bewegung vo­ranschreitet, zeigt der Herbst 2016: Damals wurden gleich sieben neue Gold-Mitglieder aufgenommen: 99Cloud, China Mobile, China Telecom, City Network, Deutsche Telekom (T-Systems), Inspur und ZTE. Dass da­runter vor allem TK-Unternehmen sowie asiatische Konzerne sind, spiegelt einen generellen Trend wider.
Lauren E. Nelson
Analystin bei
Forrester Research
www.forrester.com
Foto: Forrester Research
„OpenStack liefert noch keine Lösungen für die ganze Bandbreite der Infrastrukturanforderungen.“
Forrester Research führt dies in seinem Bericht zum 14. Release Summit in Barcelona (Oktober 2016) darauf zurück, dass sich die OpenStack-Plattform vor allem außerhalb der USA immer mehr von einer Private- zu einer Public-Cloud-Initiative entwickele. Das hänge damit zusammen, dass der Markt für Public Cloud in den USA relativ reif und durch eine fest umrissene Anzahl von Providern bestimmt sei, während in Europa und Asien OpenStack mit seinem Ökosystem aus Technologie und Partnern als eine Alternative zu den etablierten Providern gesehen werde. China hat sich sogar zu der am schnellsten wachsenden Region von OpenStack entwickelt.
Auffällig ist auch, dass in letzter Zeit besonders viele Telco-Unternehmen, die sich bisher zurückhaltend gegenüber OpenStack verhalten hatten, der Plattform beigetreten sind – darunter AT&T, CableLabs, SK Telecom oder Verizon. Aus ihrer Mitarbeit in der OpenStack-Community ist sogar das neue Feature „Doctor“ hervorgegangen. Es sorgt für eine Realtime-Unterstützung von Telefonanrufen, auch wenn kurze Unterbrechungen bei der Netzwerkverbindung aufgetreten sind.
Lauren Sell, Vice President Marketing and Community Services der OpenStack Foundation, betont die wachsende Akzeptanz bei wichtigen Industriegruppen: „Laut unserem OpenStack User Survey, den wir regelmäßig durchführen, konnten wir im zweiten Halbjahr 2016 bei produktiven Implementierungen eine Zunahme von 20 Prozent verzeichnen. Typischerweise wurde OpenStack in den Unternehmen zuerst für Software-Entwicklung und Testzwecke eingeführt, doch das verschiebt sich in Richtung produktive Umgebungen und Enterprise-Anwendungen. Zu den Industriezweigen, die sich heute mehr OpenStack zuwenden, gehören Finanzdienstleistungen, Gesundheitssektor, Automobilbranche, Medien und Breitbandfernsehen, Telekom-Gesellschaften und Handel.“

Die OpenStack-Komponenten

Technisch gesehen besteht die OpenStack-Plattform aus nahezu 30 Einzelkomponenten. Aktuell nutzen die Anwender in der Regel die Kernkomponenten Compute (Nova), Networking (Neutron) oder Block Storage (Cinder) und Object Storage (Swift) sowie zusätzlich je nach Situation in ihrem Rechenzentrum weitere Services wie Keystone (Identity Service) oder Trove (Database Service).
Lauren Sell
Vice President Marketing
und Community Services
der OpenStack Foundation
www.openstack.org
Foto: OpneStack Foundation
„Typischerweise wurde OpenStack in den Unternehmen zuerst für Software-Entwicklung und Testzwecke eingeführt, doch das verschiebt sich in Richtung produktive Umgebungen und Enterprise-Anwendungen.“
Die beiden Storage-Services Cinder und Swift stehen auch bei den für die Crisp-Research-Studie „OpenStack als Basis für offene Cloud-Architekturen“ befragten deutschen Unternehmen mit je 13,8 Prozent recht hoch im Kurs. Mit 17,5 Prozent beziehungsweise 16,6 Prozent finden auch der Identity Service Keystone und das Key Management Barbican einen relativ breiten Einsatz.
Zum Verständnis des OpenStack-Cloud-Ansatzes muss man sich klarmachen, dass es sich hier um die Technologie Platform as a Service handelt. Die verschiedenen Komponenten lassen sich dabei je nach Bedarf mitei­nander verbinden und einsetzen. Die Basis von OpenStack bilden die Keystone-Authentifizierung sowie das Einrichten einer virtuellen Maschine für Networking und Speicher. Zwar sind Spezialisten der Meinung, von hier aus lasse sich eine OpenStack-Cloud-Plattform verstehen und einrichten, doch ziehen es sehr viele Unternehmen vor, sich auf eine vorgefertigte Distribution und deren Betreuung durch externe Partner zu verlassen. Für Deutschland hat Crisp Research den Anteil dieser Gruppe mit 60 Prozent beziffert, während sich nur 40 Prozent den eigenständigen Weg in die Welt von OpenStack zutrauen.
Analyst René Büst sieht für diese Haltung in der erwähnten Crisp-Research-Studie gute Gründe: „Die hohe technische Komplexität von OpenStack sowie die Herausforderungen bei der Integration und das fehlende Wissen der eigenen Mitarbeiter sorgen dafür, dass IT-Entscheider auf vorkonfigurierte Distributionen von professionellen Anbietern setzen. Analog zum Linux-Betriebssystem bieten OpenStack-Distributionen fertig paketierte Varianten von OpenStack, zum Teil inklusive Support und Integrationsdienstleistungen, wodurch sich das Implementierungsrisiko minimieren lässt und die Umsetzung des Projekts in der Regel beschleunigt wird.“