Unberechtigte Bedenken

Argumente fürs Webhosting in der Cloud

von - 06.06.2017
Webhosting in der Cloud
Foto: Shutterstock / PureSolution
Webhosting in der Cloud hat noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. In der Praxis profitieren allerdings viele Lösungen von einer flexiblen Cloud-Umgebung.
Permanente Veränderungen, neue Technologien und Methodologien prägen die IT-Welt seit jeher. Eines dieser Themen, die unser Denken und Handeln hinsichtlich Hosting-Lösungen in den vergangenen Jahren nachhaltig beeinflusst haben, ist das Cloud Computing. Unzählige internationale Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre IT-Infrastruktur von traditionellen Rechenzentren und Inhouse-Serverräumen in die Cloud umgezogen. Aber viele Firmen – besonders in Deutschland – ignorieren diesen globalen Trend bisher. Woran liegt das, und sind die Vorbehalte berechtigt?
Die großen Vier: AWS, Azure, Google und IBM dominieren den Markt der Public-Cloud-Provider, wobei Amazon mit AWS mit Abstand der größte Anbieter ist.
(Quelle: New York Times )
Cloud-Anbieter wie beispielsweise Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure oder Google steigern ihre Gewinne in diesem Sektor seit Jahren kontinuierlich und übertreffen sich mit der Einführung neuer Angebote gegenseitig. In Case Studies werden die drei Hauptstrategien des Cloud Computing deutlich: Self-Service Provisioning, Elasticity und Pay per Use.
Zum einen bestimmt der Nutzer von Cloud-Diensten selbst, welche Ressourcen wann und für wie lange benötigt werden. Rechenleistung, Speicher, Festplattenplatz und Netzwerk-Performance sind hierbei nur eine kleine Auswahl von Möglichkeiten, über die Systemadministratoren selbst verfügen können. Die Zusammenstellung von Diensten und Ressourcen erfolgt mit einigen wenigen Mausklicks und wird als Self-Service Provisioning bezeichnet.
Bei traditionellen Hosting-Anbietern mietet man dagegen seine – in der Regel physikalischen – Server mit fester Spezifikation und meistens für einen definierten Zeitraum. Anders die Cloud-Angebote: Bei entsprechender Planung und Konfiguration skaliert sich die Infrastruktur in der Cloud auto­matisch. Dieser automatisierte Prozess (Auto-Scaling) erfolgt nach Bedarf und in kürzester Zeit und wird als Elasticity bezeichnet. Die verwendeten Ressourcen und genutzten Dienste werden hierbei sehr genau kalkuliert und dem Kunden wird nur das in Rechnung gestellt, was wirklich verwendet wurde (Pay per Use).
Trotz dieser Vorteile stellt sich nun die Frage, was Unternehmen davon abhält, ihre Applikation – besonders im Bereich der Webentwicklung – in der Cloud zu hosten. Die folgenden sechs Argumente werden immer wieder von Cloud-Skeptikern angeführt, wenn man sich mit Kunden über einen solchen Schritt unterhält.
Argument eins: »Unser Applikationen benötigen ein sehr spezielles Setup und laufen in der Cloud sicherlich nicht.« Für die meisten Webanwendungen trifft dieses Argument kaum zu. Fast alles, was auf einem herkömmlichen Server läuft, funktioniert auch in einer Cloud-Umgebung. Die typischen Dienste, die eine Webapplikation benötigt, sind ein Web­server (zum Beispiel Apache oder nginx unter Unix/Linux oder IIS unter Windows), ein Datenbankserver (MySQL, PostgreSQL, MS SQL, Oracle et cetera) und die Middleware, die sich um die Ausführung der Applikation kümmert. Letzteres umfasst zum Beispiel PHP, Java, Node.js, ASP et cetera.
Diese Komponenten sind auch in der Cloud verfügbar. Wenn keine fertigen Machine Images existieren, die die Systeme und Software vorinstalliert mitbringen, kann man ein Minimalsystem benutzen und fehlende Pakete einfach nachinstallieren. Schließlich hat man vollen Zugriff auf den Server, was übrigens bei manchen traditionellen Hosting-Angeboten nicht immer der Fall ist – zumindest nicht bei virtuellen Shared-Server-Lösungen.
Anwendungen, die sehr hardwarenah arbeiten oder bestimmte Kernel-Attribute voraussetzen, können allerdings unter Umständen in die Kategorie spezielles Setup fallen. Ein typisches Beispiel sind VoIP-Anwendungen, die auf dem Session Initiation Protocol (SIP) basieren. Ein entsprechend optimierter Kernel kommt bei SIP-Routern zum Einsatz, der sich speziell für Sprachübertragungen eignet.
Für andere, nicht so unübliche Spezialanwendungen haben viele Cloud-Anbieter allerdings auch entsprechende Angebote in ihrem Portfolio. Neben den Standardservern, die für allgemeine Anwendungsfälle bestens geeignet sind, existieren häufig Systeme, die beispielsweise Compute- oder speicheroptimiert sind. Auch für grafikintensive Anwendungen, NoSQL-Datenbanken, Data Warehouses mit massiver Parallelverarbeitung und anderes gibt es optimierte Systeme in der Cloud.