IBM Watson

Künstliche Intelligenz macht Unternehmen schlau

von - 03.05.2017
Künstliche Intelligenz
Foto: Laurent T / Shutterstock
IBMs Supercomputer Watson gibt schon in vielen Bereichen Handlungsempfehlungen. com! professional zeigt, wie Unternehmen von dem kognitiven System profitieren.
Das Diagnostizieren von seltenen Krankenheiten ist eigentlich die Aufgabe von Ärzten. Am Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen des Universitätsklinikums Marburg erhalten diese nun Unterstützung von einem  digitalen Kollegen: IBMs Supercomputer Watson hilft den Weißkitteln bei der Analyse von Patientendaten und bei Behandlungsentscheidungen. Neben der Analyse der jeweiligen Daten wertet Watson seine vorhandene Wissensbasis aus, die aus Quellen wie medizinischen Anthologien und Datenbanken besteht.
Maschine schlägt Mensch: IBMs Supercomputer Watson besiegte in der beliebten Fernseh-Quizshow Jeopardy seine beiden menschlichen Gegner.
(Quelle: IBM)
Das ist nur ein Beispiel, bei dem intelligente Computerprogramme schneller und oft auch kostengünstiger als Mitarbeiter Antworten auf Fragen geben können. So kommen schlaue Computer nicht nur im Gesundheitssektor, sondern auch im Kundenservice oder bei der Wartung vom Maschinen zum Einsatz.
Watson ist das am weitesten entwickelte intelligente Computerprogramm. Das nach dem IBM-Gründer Thomas J. Watson benannte Programm ist ein fast schon menschlich kommunizierendes kognitives System, das nicht nur enorm viel weiß, sondern auch ständig hinzulernt. Es kann Fragen beantworten, die in natürlicher Sprache gestellt werden. Das semantische System Watson gibt dem Fragenden innerhalb kürzester Zeit Antworten in natürlicher Sprache zurück. IBMs Ziel mit Watson ist die quasinatür­­liche Interaktion zwischen Mensch und Maschine.
Wie gut das Ganze funktioniert, bewies IBM bereits 2011 eindrucksvoll im US-amerikanischen Fernsehen: Watson trat in der bekannten Quizshow Jeopardy gegen die erfolgreichen Kandidaten Ken Jennings und Brad Rutter an – und gewann. Bei Jeopardy geht es darum, Fragen zu einem breiten Themenspektrum zu beantworten.
Durch die Kombination aus blitzschnellem Auswerten des einstudierten Wissens und dem treffsicheren Verständnis der menschlichen Sprache hatte Watson klar die Nase vorn.
Intelligenter i8: Der bayerische Autobauer BMW tüftelt mit IBM am schlauen Auto der Zukunft.
Foto: IBM
Beispiel 1: Intelligentes Auto
Laut einer aktuellen Studie von IBM wollen 54 Prozent der Autofahrer weltweit, dass das Fahrzeug von ihnen lernt und so das Fahrerlebnis mehr personalisiert wird. Der Münchner Autobauer BMW forscht in einer Kooperation mit IBM daran, welche Rolle die Künstliche Intelligenz Watson bei der stärkeren Personali­sierung des Fahrerlebnisses einnehmen kann. Gemeinsam arbeiten beide Unternehmen daran, neue intelligente Assistenzsysteme zu entwickeln.
Dazu werden an vier Hybrid-Sportwagen BMW i8 neue Schnittstellen für die Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrzeug getestet. IBMs Watson soll künftig selbst lernen, welche Gewohnheiten die Fahrzeuglenker haben, und in natürlicher Sprache mit diesen interagieren.
Der Fahrer soll so dem Auto Fragen stellen können und Antworten erhalten – zum Beispiel über die aktuelle Verkehrslage, das Wetter oder den Zustand des Fahrzeugs.

Antworten auf die Digitalisierung

Über die Beantwortung von Quizfragen reichen IBMs Pläne mit Watson freilich weit hinaus. Ob als Unterstützung von Ärzten an der Uni Marburg, als Assistenz in der Vermögensberatung der DBS Bank in Singapur oder als Support-Hilfe bei den Beratern von KPMG – Watson ist für IBM so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau, die sämtliche Aufgaben der digitalen Transformation bewältigen können soll.
So könnte Watson zum Beispiel auch den Werbemarkt revolutionieren. Ende letzten Jahres startete IBM auf der Webseite seines Tochterunternehmens The Weather Company eine Kampagne für die Fertigprodukte von Campbell’s Soup. Das Besondere: Gesteuert wurde die Werbung von Watson. Abhängig vom Standort des Seitenbesuchers, dem Wetter und den Kochwünschen wurde passende Werbung eingeblendet. Die Besucher konnten sogar per Sprache mit der Werbung interagieren: Über Mikrofon ließen sich etwa Essenvorschläge abfragen.
Vor allem Händlern eröffnet Watson ungeahnte Möglichkeiten. So sind Studien zufolge Verbraucher bereit, für personalisierte Angebote und individuelle Kundenbetreuung persönliche Daten preiszugeben. Zudem äußern sich immer mehr Kunden über soziale Plattformen wie Facebook, Twitter & Co. zu ihren Vorlieben und Wünschen. Ein System wie Watson wertet all dies aus, hinzu kommen kundenspezifische Daten wie frühere Einkäufe und Retouren und daraus abzuleitende Präferenzen für Marken. Nach der Analyse dieses Datenschatzes lassen sich die gewonnenen Informationen mit verfügbaren Produktinformationen verknüpfen und dem Kunden präzise auf ihn zugeschnittene Angebote präsentieren.
Selbst in der Filmbranche ist die Künstliche Intelligenz bereits angekommen. So entstand vergangenes Jahr für den US-amerikanischen Kinofilm „Morgan“ von 20th Century Fox der erste Trailer der Filmgeschichte, der durch einen Algorithmus erstellt wurde. Laut IBM-Manager John R. Smith hat Watson hierfür die Trailer von 100 Horrorfilmen ausgewertet. Mit dem Wissen, welche Szenen in Trailern in der Regel vorkommen, analysierte Watson daraufhin den Film „Morgan“ und entschied sich letztendlich für zehn Sequenzen. Hierfür brauchte Watson nur rund einen Tag. Aus den zehn Sequenzen schnitt ein menschliches Filmteam dann den Trailer. Zum Vergleich: Normalerweise dauert das Zusammenstellen eines Trailers 10 bis 30 Tage.
Auch in Sachen Sicherheit will IBM den Unternehmen helfen und Cyberangriffen mit Künstlicher Intelligenz begegnen: IBM Watson for Cyber Security soll vor allem Mitarbeiter von Security Operations Centern (SOCs) unterstützen. KI kann bei einem Angriff schneller als der Mensch verdächtige Abläufe erkennen und eine Warnung ausgeben.
Unterstützung im Kundenservice: Bei der Versicherungskammer Bayern übernimmt Watson die Vorsortierung eingehender Kundenschreiben.
Foto: Versicherungskammer Bayern
Beispiel 2: Kundenservice
Die Versicherungskammer Bayern (VKB) erhält jedes Jahr von ihren Kunden rund sieben Millionen Schreiben per Brief, Fax und E-Mail – das sind rund 20.000 täglich. Um den Überblick zu behalten und eine schnellere Bearbeitung sicherzustellen, schaut sich die Schreiben erst einmal IBMs Watson an. Watson analysiert sie und übernimmt die Zuordnung an die Sachbearbeiter.
Das System erkennt sprachliche Zweideutigkeiten und Ironie und liest aus dem Kontext. Wenn ein Versicherungsnehmer zum Beispiel „Vielen Dank für die schnelle Schadensbearbeitung“ schreibt, sich im Folgesatz aber beschwert, dann erkennt die Künstliche Intelligenz dies.