Digitalisierung

Bald geht’s los mit Industrie 4.0

von - 01.02.2017
Industrie 4.0
Foto: Tashatuvango / Shutterstock.com
Vom Buzzword zur Revolution: Die Technologie für Industrie 4.0 ist da – und viele Firmen experimentieren bereits erfolgreich damit. Jetzt geht es um die Umsetzung in der Praxis.
Robert Rudolph ist Präsident der Initiative Industrie 2025, in der sich die vier Schweizer Branchenverbände Swissmem, swissT.net, asut und Electrosuisse zusammengeschlossen haben. Ziel ist die Förderung von Industrie 4.0 in der Schweiz. „In unserem Verständnis bezeichnet Industrie 4.0 den digitalen Wandel in der produzierenden Industrie“, erklärt Rudolph, der bei Swissmem den Bereich Bildung und Innovation leitet. Laut Rudolph ist die Schweiz auf gutem Weg: Eine Umfrage unter Swissmem-Mitgliedsfirmen im Sommer ergab, dass 40 Prozent bereits ein Industrie-4.0-Projekt abgeschlossen haben. Mehr als die Hälfte steckt mitten in einem Projekt. Der Nutzen in verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette sei hoch, so das Feedback.
Einen Anwendungsfall zu finden, der auch in der eigenen Firma Mehrwert generiert, ist allerdings kein leichtes Unterfangen. „Ein Copy-and-Paste von Use Cases oder ganzen Lösungen ist aus unserer Sicht nicht realistisch“, betont Rudolph. „Jede Firma muss diese für sich analysieren.“ Eine punktuelle erste Implementierung mit überschaubaren Investitionen könne ein guter Einstieg sein.
Nils Herzberg
SAPwww.sap.com
 
„20 Prozent halten Industrie 4.0 für neumodischen Kinderkram, 20 Prozent sind begeistert.“
Swissmem-Firmen – die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie – gehören zur Avantgarde der Schweizer Industrie. In anderen Segmenten fällt die Reaktion auf die vierte industrielle Revolution verhaltener aus. „Der Markt für das Internet der Dinge (IoT) bildet sich gerade, Anbieter und Kunden sind noch in der Testphase“, schätzt Martina Weidmann von T-Systems die Situation ein. Doch das Thema wird immer wichtiger, auch für die Schweizer Industrie. Gefragt nach den Zugpferden der ICT-Branche in den nächsten zwei Jahren, nennen die von unserer Schweizer Schwesterzeitschrift Computerworld befragten Top-500-ICT-Unternehmen Internet der Dinge beziehungsweise Industrie 4.0 bereits an vierter Stelle (von 20).

Gesundes Essen für die Kita

Die Use Cases, die es schon gibt, sind breit gestreut. „Wir sind gerade im Gespräch mit Rieber, einem Hersteller von Transportbehältern für Lebensmittel“, so T-Systems-Sprecherin Weidmann. Warme Speisen, wie sie Caterer wie Rieber an Kantinen oder Kindergärten ausliefern, dürfen per Gesetz eine bestimmte Mindesttemperatur nicht unterschreiten. Sonst besteht die Gefahr, dass sich gesundheitsschädliche Keime entwickeln. Bislang mussten die Köche die Temperatur selbst messen und dokumentieren. Rieber will die Transportbehälter künftig mit Sensoren ausstatten, die die Temperaturwerte selbstständig erfassen und bei Bedarf nachheizen. „Damit das System skalieren kann, braucht es eine leistungsfähige IoT-Plattform“, betont Weidmann und weist auf das eigene Predictive-Maintenance-Starterkit hin. Zu den Kosten will sie sich nicht äußern, denn: „Wir starten gerade erst die Pilotphase.“
Robert Rudolph
Swissmemwww.swissmem.ch
„Ein Copy-and-Paste von Use Cases oder ganzen Lösungen ist nicht realistisch.“
Hansjürg Inniger, Director Solution Center IoT beim Software- und Produktentwickler Zühlke, leitet die Arbeitsgruppe Digital Industry des Schweizerischen Verbandes der Telekommunikation, die im Herbst 2015 ins Leben gerufen wurde. Zu den Faktoren, die vernetzte Industrie-4.0- und IoT-Lösungen vorantreiben, zählt Inniger unter anderem die Verbindungskosten, die in den letzten Jahren massiv gesunken seien, und kompakteren Speicher. Was früher schon technisch möglich gewesen sei, das sei heute auch wirtschaftlich sinnvoll. Laut Inniger macht über den Daumen B2C (IoT) etwa ein Drittel des gesamten Marktvolumens aus, während zwei Drittel des zu erwartenden Gesamtumsatzes auf die professionellen B2B-Lösungen (Industrie 4.0) entfallen.