Kontrolle behalten

Toshiba sucht Investoren für das Speichergeschäft

von - 10.02.2017
Toshiba
Foto: testing / SHutterstock.com
Der kriselnde IT-Konzern Toshiba sucht offenbar nach mehreren Investoren für sein Speicherchip-Geschäft. Dadurch wollen die Japaner den Einfluss der neuen Mitinhaber dezimieren.
Hardware-Riese in der Krise: Der in Schwierigkeiten steckende japanische Elektronikkonzern Toshiba will beim Teilverkauf seiner Speicherchip-Sparte laut einem Pressebericht mehrere Investoren ins Boot holen. Damit wolle Toshiba verhindern, dass ein einzelner neuer Mitinhaber zu viel Einfluss auf das Geschäft nehme, berichtete die japanische Zeitung "Nikkei" am Freitag laut eingeweihten Personen. Der Konzern will einen Anteil von 19,9 Prozent seines Speicherchip-Geschäfts abstoßen. Die Halbleiterhersteller Micron aus den USA, SK Hynix aus Südkorea und Toshibas US-Partner Western Digital haben bereits Gebote abgegeben.
Auch der Foxconn-Konzern aus Taiwan hat dem Bericht zufolge Interesse an einer Beteiligung angemeldet. Zudem spreche Toshiba mit weiteren möglichen Investoren.
Dennoch scheint die Käufersuche nicht einfach zu sein. "Nikkei" zitiert mehrere Insider, die die Investition angesichts von Toshibas Bedingungen als nicht sonderlich anziehend einschätzen. Grund dafür sei, dass sie mit der vorgesehenen kleinen Beteiligung nur ein geringes Mitspracherecht erhielten.

Toshiba wappnet sich für Abschreibungen in Milliardenhöhe

Der geplante Teilverkauf erfolgt nicht freiwillig. Toshiba braucht wegen Problemen seines US-Atomkraftwerksbauers CB&I Stone & Webster dringend Geld. Wegen schwacher Geschäfte kommen auf die Japaner möglicherweise Abschreibungen in Milliardenhöhe zu. Nach früheren Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg und der japanischen Agentur Kyodo könnten diese bis zu 700 Milliarden Yen ausmachen, umgerechnet rund 5,8 Milliarden Euro. Wie hoch die Summe wirklich ist, soll am Dienstag (14. Februar) bekanntgegeben werden.
Noch Ende vergangen Jahres standen die Zeichen für Toshiba noch recht gut. Dem Konzern gelang es durch massive Umstrukturierungen wieder schwarze Zahlen vorzulegen, nachdem ein Bilanzskandal für starke Verluste gesorgt hatte. Eine Untersuchungskommission fand damals heraus, dass das Unternehmen systematisch zu hohe Gewinne ausgewiesen hatte und das über Jahre hinweg. Die Bilanzen mussten in der Folge mehrfach nach unten korrigiert werden, insgesamt um rund 225 Milliarden Yen.
Im Verlauf der Umstrukturierung wurden insgesamt 10.500 Angestellte entlassen. Außerdem mussten acht Mitglieder der Firmenführung den Konzern verlassen, die maßgeblich an dem Bilanzskandal beteiligt waren. Mit dabei auch der damalige Konzernchef Hisao Tanaka und dessen Vorgänger Norio Sasaki.